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Was haben
Mecki, Court Jester‘s Crew, Telmo A. & Lightwood, DJ
Gomez, mb, Hölderline Tunes, King David, Fullhause, Studio Nine
Band, Mad Maximon, Freggae und Joel gemeinsam?
Alle fingen als blutjunge Musiker oder DJs im Epple Haus an,
ihre Leidenschaft zur Musik auszuleben. Alle sind älter
geworden und viele von ihnen üben immer noch diese Leidenschaft
aus - in Berlin, Hamburg oder in Tübingen und mit mehr oder
auch weniger Erfolg. Die meisten von ihnen füllen die Tübinger
Kultur mit Inhalt und Leben aus. Sie sorgen für eine aufregende
und anspruchsvolle Szene, die sich sowohl auf nationaler als
auch internationaler Ebene sehen lassen kann. Der
wirtschaftliche Faktor ist dabei für die hiesige Gastronomie
und die Clubbetreiber nicht unwichtig.
Was ist das
Epple Haus?
Ein
Jugendhaus wie das JuFo auf WHO, die Pauline, das Mixed Up (in
der Südstadt) und weitere Jugend-Treffpunkte in der Weststadt
und auf der Wanne. Die wichtigsten Arbeitsschwerpunkte eines
Jugendhauses sind Jugendsozialarbeit und Förderung der
Jugendkulturarbeit. Das Epple Haus war immer eines der Häuser,
wo sehr viel Jugendkultur gemacht worden ist, mehr als woanders.
Bei den restlichen Jugendhäusern in Tübingen liegt der
Arbeitsschwerpunkt z.B. eher auf Beratung, u.a. zum Thema
Kriminalität (Jugendstrafe), Schule und berufliche Zukunft.
Jedes
Jugendhaus hat seine Spetzialität in Tübingen, die
des Epple Hauses ist seit 20 Jahren die (Jugend-) Kulturförderung.
Der Prozess der Förderung ist sehr langwierig und es dauert
meistens Jahre, bis der Jugendliche die Reife für die weite (Musik-)Welt
erreicht hat. Das ist genau die Arbeit, die das Epple
Haus-Team immer mit sehr viel Freude und Hingabe geleistet hat:
junge Menschen, die in sich eine undefinierte Unruhe und
Leidenschaft getragen haben, mit Sensibilität zu unterstützen
und zu begleiten, bis diese Leidenschaft eine definierte Form
zeigte und einen deutlichen Weg nehmen konnte.
Das
gesamte Sozialsystem in Deutschland ist von Einsparungen und Kürzungen
betroffen. Die Jugendhäuser in Tübingen auch. Hier sind
inzwischen drei Sozialarbeiterstellen eingespart worden.
In
der ersten Stufe üben die Jugendlichen das DJen. Die einzige
Vorarbeit, die sie leisten müssen ist das Mitbringen eigener
Schallplatten. Dann folgen kleine Auftritte und dazu gehört
auch die Organisation der Werbung und das Layouten von Flyern.
Das Vermarkten der eigenen Veranstaltung muss auch gelernt
werden.
Das
Epple Haus bietet die Infrastruktur und die Möglichkeit, sich
ganz früh in der Arena der Musikwelt zu bewegen. Andere
Jugendhäuser bieten das auch, aber im Epple Haus werden die
Talente besonders unterstützt. Im Epple Haus ist ein
Technikpark bestehend aus Mischpulten, Musik-Anlagen und
Mikrophonen, Druckern und Rechnern mit entsprechender Software für
die Gestaltung von Werbematerial und Homepage vorhanden.
Da
das Haus unkommerzieller Natur ist, bekommen die jungen Künstler
weitere Chancen, auch wenn eine Veranstaltung nicht erfolgreich
war. So können sie durch ihre Fehler lernen, ihre Fehler
analytisch betrachten und wettmachen. Zudem trainieren die
Jugendlichen hier nicht nur ihre technischen Fähigkeiten,
sondern auch wie sie mit den Konsumenten, dem Publikum, umgehen
können und entwickeln dabei Kompromissbereitschaft. Hier wird
die Körpersprache des DJs beobachtet und letztendlich seine
Reaktion auf das Feedback des Publikums.
Einer
der wesentlichen Unterschiede zwischen Epple Haus und den
restlichen Jugendhäusern in Tübingen ist das Publikum.
Insgesamt spricht das Epple Haus ein etwas älteres Publikum an.
Das Angebot richtet sich eher an Jugendliche ab 16. Am
Wochenende finden Disco-Veranstaltungen erst ab 22:00 h statt
und Konzerte werden von allen Altersklassen wahrgenommen.
Im Gegensatz zu anderen Jugendhäusern existiert im Epple Haus
ein Verein, der aus Gemeinderatsmitgliedern und Nutzern des
Hauses besteht. Dies bedeutet, dass die dortigen Sozialarbeiter
im Sinne dieses Vereins agieren, der eine Konzeption entwickelt
hat, in der die Jugendlichen und die Öffentlichkeit Einflüsse
auf die Arbeit des Hauses nehmen können. Es gibt keine starren
Richtlinien, diese können vom Verein zusammen mit seinen
Mitgliedern mitbestimmt werden. Die restlichen Jugendhäuser
bieten für die Jugendlichen solche Möglichkeiten nicht. Diese
flexible, interne Struktur des Epple Hauses ermöglicht es den
Sozialarbeitern aber die verschiedenen Strömungen aufzunehmen.
Durch
diese Offenheit können die verschiedensten Jugend-Gruppierungen
aufgenommen und ihnen ein Heim geboten werden, wo eine glaubwürdige,
zuverlässige, von unten nach oben entstehende
Jugend-Kulturarbeit betrieben wird.
Durch
so eine Konstruktion wird Anpassung und Weiterentwicklung gefördert,
die wiederum Vertrauen und Kontinuität garantiert.
Viele
der Epple Haus-Sozialarbeiter sind dort seit überdurchschnittlich
langer Zeit. Sie
scheinen die richtige Formel gefunden zu haben, um all diese
Jahre bei den Jugendlichen Vertrauen und Respekt zu erwecken,
und dies bei allen Schichten und Gruppierungen, wie z.B. Punker
oder Grufties.
Hier
arbeiten die verschiedensten Gruppierungen der heutigen
Jugendkultur friedvoll unter einem Dach. Das ist eine sehr große
Leistung. Sowas können nur Erwachsene gewährleisten, die von
den Jugendlichen respektiert und ernst genommen werden. Es können
dort sowohl Punk-Konzerte als auch Goa- und HipHop-Parties
stattfinden, ohne Eifersüchteleien und ohne dass die Leute sich
um den Platz streiten. Vor 20 Jahren war die Situation anders
und es gab heftige Kämpfe zwischen Rockern und Punks.
Dieses
friedliche Zusammenleben mit so unterschiedlichen Gruppierungen
hat natürlich einen positiven Einfluss auf das Gleichgewicht
der Tübinger Szene. Ohne
ein Heim, mit dem sich diese jungen Menschen identifizieren können,
würden die verschiedenen Gruppierungen die nahe liegenden Clubs
und Bars gewollt oder ungewollt mit viel Stress in Anspruch
nehmen, mit den damit entstehenden, nicht kleinen
wirtschaftlichen Konsequenzen. Es
ist wichtig für den Sozialfrieden einer Stadt, den (Nähr-)Boden
gesund zu halten. Dieses Prinzip ist universell für jeden
Organismus und kann ebenfalls auf das Kulturleben transponiert
werden, das ebenfalls eine gesunde Subkultur benötigt, um
langfristig weiterzuleben. Denn ohne gesunde Subkultur bricht
letztendlich die gesamte Kultur an sich zusammen. Am Ende dieses
Prozesses steht das geschichtlich arrivierte Kulturleben einer
Stadt, die ohne neue Impulse unweigerlich veraltet und stirbt.
Die sogenannte
„Leuchtturm-Politik“ kann deshalb nur funktionieren, wenn
gleichzeitig die Subkultur gefördert wird oder zumindest deren
Lebensräume gesichert werden.
Bei
den Salzburger Festspielen kommt es regelmässig zu Randalen,
wie auch beim berühmten Wiener Opernball. Sogennante Hochkulturen werden dort einseitig gefördert
und inszeniert, was konsequenterweise zu Unzufriedenheit bis hin
zu sozialer Unruhe führt.
Das
Epple Haus liefert seit langem die schöpferische Energie, um
den gesunden Nährboden für Jugendsubkultur zu liefern, ohne
große Geldansprüche. Das meiste wird ehrenamtlich erledigt,
wie es so oft in Subkulturen üblich ist. Die Epple
Haus-Sozialarbeiter verfolgen noch Werte wie Selbstbestimmung,
Verantwortung und Selbstverwaltung. Diese Werte den Jugendlichen
beizubringen, braucht seine Zeit und der Weg bis zum Ziel kann
langwierig und
unangenehm
sein. Selbstbestimmung und Selbstverwaltung waren in den 80ern
große Wörter, große Objekte der Begierde. Heute stehen an
ihrer Stelle Autorität, Suppression oder Gleichgültigkeit. In
einer Umgebung, in der sowohl Politik- als auch
Wirtschaftsplanung immer kurzlebiger werden, sind dies die adäquateren
Methoden, da sie die jeweiligen Akteure schneller zum Ziel
bringen. in der Tiefe wird nicht mehr agiert. Viele der
getroffenen Massnahmen behandeln nur die Oberfläche eines
Organismus, der im Inneren krank ist und behandelt werden muss. Autoritäre ,,Leuchturm-Politik" ist nichts anderes
als ein Schönheitseingriff, der der Welt kurzfristig imponiert,
ihr aber nicht weiterhilft.
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