Konzeption 2001


Der Inhalt

  1 Einleitung
2 Geschichte des Richard-Epple-Hauses
3 Organisation und Rahmenbedingungen
3.1 Verein
3.2 Räumliche und personelle Rahmenbedingungen
3.3 Gremien
4 Offene Jugendarbeit
4.1 Rechtliche Grundlagen
4.2 Situation Jugendlicher heute
4.3 Umgang mit Drogenkonsum
4.4 Pädagogische Ziele im Überblick
5 Zielgruppen / Arbeitsbereiche
5.1 Kulturbereich
5.2 Offener Bereich
5.3 Freiwillige Gemeinschaftsarbeit
5.4 Medienbereich
5.5 Junge Frauen

 

 

1 Einleitung


Das Team des Epple-Hauses stellt seine neue Konzeption vor.
Das Epple-Haus hat schon immer "auffällige" und "schwierige" Jugendliche und junge Erwachsene angesprochen. Durch die bestehende Selbstverwaltung, die zentrale Lage, die Vereins- und BesucherInnenstruktur stellt das Jugendzentrum als solches sicherlich eine Besonderheit dar. Jugendliche und junge Erwachsene suchen Freiräume zum Experimentieren. In unterschiedlichen Bereichen können sie sich verwirklichen und aktiv mitarbeiten. Hierdurch wird eine besondere Atmosphäre im Haus und bei der Arbeit geschaffen.

Vor fünf Jahren entstand die letzte Konzeption. Im Vergleich zu dieser sind sicherlich Überschneidungen zu sehen - es wird also nichts von Grund auf geändert. Das Epple-Haus plant den Aufbau eines regionalen Medienzentrums. Vorbereitungen hierfür laufen bereits seit Ende letzten Jahres mit dem Aufbau eines PC-Netzwerkes für die interne Arbeit und Weiterbildung der MitarbeiterInnen. In diesem Jahr wird - vorerst provisorisch - eine Internetwerkstatt im Offenen Bereich entstehen. Nach Auszug des Frauencafés in das geplante Frauenzentrum in Tübingen im Jahr 2003 wird in diesen Räumen ein Multimedia- und Internetcafé eingerichtet werden. Bis dahin werden im personellen Bereich Umstrukturierungen vorgenommen werden. Außerdem müssen Alternativen und Lösungen zur Finanzierung überlegt werden.

Das Epple-Haus bleibt also nach wie vor bestehen, in der inhaltlichen Arbeit wird sich aber sicherlich manches ändern.


¤Juli 2001¤

 

 

2 Geschichte des Richard-Epple-Hauses

 

1955 Gründung des selbstverwalteten Jugendclubs im Schwabenhaus

1971 Anstellung eines Sozialarbeiters durch die Stadt Tübingen zur Unterstützung der Selbstverwaltung

1972 April:
Das Schwabenhaus brennt aus ungeklärten Ursachen.

Mai:
Die Forderungen der Jugendlichen nach:
· Ersatzräumen - auch für Musikgruppen
· Renovierung des Schwabenhauses
· Untersuchung der Brandursache
· öffentlicher Stellungnahme des Gemeinderats zu pädagogischen und finanziellen Vorstellungen über die offene Jugendarbeit des Jugendzentrums
werden nicht erfüllt.

Juni:
Hausbesetzung Karlstrasse 13 (Eigentum der Kreissparkasse Tübingen)

Juli:
Die Stadt Tübingen stellt nach dem Erwerb des Gebäudes dieses dem selbstverwalteten Jugendzentrum zur Verfügung.

1972 Das Jugendzentrum wird durch das Stadtjugendreferat Tübingen verwaltet.

1978 Gründung des Trägervereins Jugendzentrum e.V.

1985 Einrichtung von drei SozialpädagogInnen-Stellen über die Stadt Tübingen

 

 

3 Organisation und Rahmenbedingungen


In diesem Kapitel werden die Vereinsstruktur, die räumlichen Gegebenheiten und die personellen Rahmenbedingungen beschrieben.

 

 

3.1 Verein

 

Der Verein Jugendzentrum e.V. ist Träger des Epple-Hauses. Die Organe des Vereins setzen sich folgendermaßen zusammen und haben folgende Aufgaben:

 

 


3.2 Räumliche und personelle Rahmenbedingungen


Das Epple-Haus liegt zentral in Tübingen neben dem Bus- und Hauptbahnhof und an der Nahtstelle zur Südstadt. Den BesucherInnen stehen fünf Stockwerke mit einer Betriebsfläche von 850 qm mit dem Offenen Bereich (Saal, Disco), der Schreinerei und Töpferwerkstatt, dem Programmraum, dem Proberaum und den Gruppenräumen zur Verfügung.
Im zweiten Stock befindet sich das selbstverwaltete Frauencafé, das im Jahr 2003 in das geplante Frauenzentrum in Tübingen umziehen wird. Die Räume des vierten Stocks stehen einer selbstorganisierten Kindergruppe und verschiedenen Sportgruppen zur Verfügung.

Im Epple-Haus arbeiten 5 SozialpädagogInnen und ein Schreiner auf 4,5 Stellen. Dem Bereich Buchhaltung und Finanzverwaltung sind 50% einer Personalstelle zugeordnet.
Die hauptamtlichen MitarbeiterInnnen werden von der Stadt Tübingen eingestellt, die die Dienst- und Fachaufsicht inne hat.
Der Verein ist wesentlich bei der Auswahl neuer hauptamtlicher MitarbeiterInnen beteiligt. Bei Vorstandssitzungen haben die Hauptamtlichen beratende Funktion.

Dem Epple-Haus stehen 5 Freiwillige GemeinschaftsArbeit-Stellen (FGA) für junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 25 Jahren, die bei der Stadt Tübingen angestellt sind, zur Verfügung. Diese Arbeitsstellen werden durch das Landesprogramm "Jugend-Arbeit-Zukunft" für eine Dauer bis zu zwei Jahren gefördert. (s. 5.3.)

Bei Veranstaltungen arbeiten bei Bedarf auch JobberInnen als Geringfügig Beschäftigte im Thekendienst mit.

Zwei Zivildienstleistende unterstützen die hauptamtlichen MitarbeiterInnen im Veranstaltungs-, Werkstatt- und Hausmeisterbereich. Die Einstellung, Anleitung und Betreuung der Zivildienstleistenden wird von den hauptamtlichen MitarbeiterInnen übernommen. Die Kosten trägt der Verein.

 

 

3.3 Gremien


Teamsitzung / Supervision:
Einmal wöchentlich treffen sich die hauptamtlichen MitarbeiterInnen zur Teamsitzung. Den Hauptamtlichen stehen drei Stunden pro Monat für Supervision zur Verfügung.

Aktivenrat:
Der Aktivenrat ist ein öffentliches Gremium für alle Interessierten und findet einmal wöchentlich mit den Hauptamtlichen und allen im Haus beteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen statt. Hausorganisation, jeweiliger Wochenablauf, Organisation und Vergabe der Räume an die jeweiligen Gruppen werden hier entschieden. Darüber hinaus werden hier aktuelle Themen diskutiert und Konflikte gelöst.

Vernetzung:
Die hauptamtlichen MitarbeiterInnen arbeiten verbindlich in verschiedenen Arbeitskreisen und Facharbeitskreisen mit.
Das Ziel ist:
· Kooperation
· Information
· Koordination
· konzeptionelle Weiterentwicklung

 

 

4 Offene Jugendarbeit


Das folgende Kapitel ist ein kurzer Abriss über rechtliche Grundlagen der Offenen Jugendarbeit, die Situation Jugendlicher heute und die pädagogischen Ziele im Epple-Haus.

 

 

4.1 Rechtliche Grundlagen


Im KJHG ist das Recht jedes jungen Menschen auf Förderung seiner Entwicklung und Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit festgeschrieben.
Die Offene Jugendarbeit ist eine präventive Maßnahme der Jugendhilfe und kann auch Personen, die älter als 27 Jahre sind, in angemessenem Umfang in Angebote einbeziehen. Jungen Menschen sind zur Förderung ihrer Entwicklung erforderliche Angebote, die sich an ihren Interessen und Bedürfnissen orientieren, zur Verfügung zu stellen. Pädagogische Zielsetzung ist dabei Mitbestimmung und Mitgestaltung (Partizipation), die zu Selbstbestimmung befähigt und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und sozialem Engagement anregt (s. § 11 KJHG).

 

 

4.2 Situation Jugendlicher heute


Die Phase der Jugendzeit als Übergang zum Erwachsensein hat sich aufgrund des gesellschaftlichen Wandels - Veränderung der Familienstruktur, Individualisierung, Pluralisierung - hin zu einem eigenständigen Lebensabschnitt verlängert. Dadurch ergeben sich neue veränderte Lebens- und Problemlagen, die sich in allen Bereichen der Jugendarbeit zeigen.

Jugendliche leben weniger in traditionellen Lebenskontexten. Zum Teil lösen sich traditionelle Familienstrukturen auf, es treten neue Beziehungsformen an deren Stelle. Hierdurch gewinnen Cliquen und Jugendszenen als zentrale außerfamiliäre Sozialisationsinstanz an Bedeutung.

Die Pluralisierung der Gesellschaft und eine gleichzeitig stattfindende Individualisierung von Lebenslagen und Lebensstilen bewirken einschneidende Veränderungen für Jugendliche. Einerseits stehen Jugendlichen vielfältige Möglichkeiten ihrer persönlichen Lebensgestaltung offen. Andererseits bringt eine Komplexität der Wahlmöglichkeiten zunehmende Verunsicherung und Unübersichtlichkeit hinsichtlich Orientierung bei der Findung eines individuellen Lebensstils und -ziels mit sich.

Zur Begleitung und Unterstützung der Identitätsbildung junger Menschen einer pluralistischen Gesellschaft bedarf es verschiedener Freiräume als Lernfeld, um ihnen Möglichkeiten zum Experimentieren zur Verfügung zu stellen. Dabei wird u.a. Gruppenfähigkeit als soziale Kompetenz vermittelt.

In Hinblick auf die Berufsplanung werden heutzutage höhere Ansprüche gestellt. Neben der persönlichen und beruflichen Qualifikation werden zunehmend Medienkompetenzen - den Umgang mit dem Computer, den aktuellen EDV-Programmen, audiovisuellen Medien und Informationstechniken - erwartet. Hierbei darf nicht vergessen werden, dass persönliche, soziale und finanzielle Lebensprobleme junger Menschen gerade diesen Teil der Lebensplanung entscheidend beeinflussen. Es steht scheinbar eine Vielfalt von Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten zu Verfügung, der Zugang ist allerdings für viele erschwert bzw. nicht möglich.

 

 

4.3 Umgang mit Drogenkonsum


Das Konzept der offenen Tür im Saal und in der Disco bzw. die zentrale Lage des Hauses haben zur Folge, dass wir mit "Drogenproblemen" - legalen wie auch illegalen - auf vielfache und unterschiedliche Weise konfrontiert werden.

An normalen Saalabenden, und bei Festen bzw. Konzerten führen Auffälligkeiten und Ausfälle durch (unmäßigen) Alkoholkonsum immer wieder zu problematischen Situationen.
Im sozialen Umfeld der Eltern und in der Clique lernen Jugendliche schon früh, dass der Konsum von Alkohol sowohl dem Genuss als auch der persönlichen Strategie der Bewältigung von Konflikten dienen kann. Daher gehört der kompetente Umgang mit Alkohol zu den Fähigkeiten, der von Jugendlichen und Erwachsenen in verschiedenen geselligen Situationen erwartet wird und erlernt werden soll.

Trotz umfassender Aufklärungskampagnen und generalpräventiver Abschreckung mit Hilfe des Strafrechts ist der Anteil der jugendlichen KonsumentInnen von weichen illegalen Drogen (Haschisch und Marihuana) sowie den sogenannten Party- und Designerdrogen (Exstacy, Speed, LSD u.a.) beständig gestiegen. Der Anteil der KonsumentInnen harter illegaler Drogen (Heroin, Kokain, Methadon u.a.) ist weitgehend gleich geblieben.

Grundlage für die Präventionsarbeit im Haus ist ein offener und toleranter Umgang, um Zugang zu den jugendlichen Cliquen zu finden. Ausgrenzung hat sich in der Vergangenheit als sinnlos herausgestellt und wirkt zumeist problemverstärkend. Außerdem verhindert Ausgrenzung und die Angst vor Bestrafung eine offene Auseinandersetzung über Probier- und Konsumerfahrungen.

Jugendliche und junge Erwachsene mit Drogenerfahrungen erwarten von uns pädagogischen MitarbeiterInnen Akzeptanz, Vertrauen und Beratung. Sie werden in ihrer Lebenslage als Person mit eigenen Bedürfnissen bzw. eigenem Lebensweg akzeptiert.
Wir bieten ihnen Informationen über Wirkungsweisen der verschiedenen Drogen, Beratung in Richtung Konsumverzicht und kontrolliertem Konsumverhalten sowie alternative Erfahrungsmöglichkeiten und persönliche Entspannungsmöglichkeiten.

 

 

4.4 Pädagogische Ziele im Überblick


Die Offene Jugendarbeit im Epple-Haus ist zielgruppenorientiert. Die Jugendkulturarbeit, der Offene Bereich und die Betreuung der FGAs stehen im Vordergrund.

Ziele der pädagogischen Arbeit im Epple-Haus sind:
· Partizipation auf Vereinsebene und/oder aktive Mitarbeit im Jugendhaus
· Unterstützung der FGAs (Training des Arbeitsalltags, Stärkung der Arbeitsmotivation und der Kreativität, Entwicklung einer Lebensperspektive)
· Hilfe zur Selbsthilfe anbieten
· Selbstverantwortung und Selbstorganisation fördern
· Kontakte, Konfliktfähigkeit und Toleranz fördern
· Geselligkeit und Lebensfreude fördern
· Integration fördern
· Benachteiligungen entgegenwirken
· Geschlechterdifferenzierung berücksichtigen

 

 

5 Zielgruppen / Arbeitsbereiche


Zielgruppe sind Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 30 Jahren aus Tübingen und dem Kreisgebiet.

Die BesucherInnenstruktur ist sehr gemischt, da durch die große Auswahl unterschiedlicher kulturellen Veranstaltungen verschiedene Gruppierungen angesprochen werden. Das Publikum ist eine bunte Mischung von Stammgästen mit einer gewachsenen Beziehung zum Epple-Haus, verschiedenen subkulturellen Jugendszenen, SchülerInnen, Auszubildenden, StudentInnen, Drogen- und Alkoholabhängigen, sowie arbeits- und wohnsitzlosen junge Erwachsenen. Bei Veranstaltungen liegt der Frauenanteil bei ca. 50 %, im Offenen Bereich bei ca. 10-30 %.

 

 

5.1 Kulturbereich


Musik hat für Jugendliche eine wichtige identitätsstiftende Funktion. Sie kann persönlicher Ausdruck der Gefühle und Ausdruck einer Identifizierung mit einer Gruppe sein. Viele jugendliche Subkulturen definieren sich über einen bestimmten Musikstil.
Den ProduzentInnen und KonsumentInnen von Musik sollen adäquate Angebote und Möglichkeiten unter Berücksichtigung der aktuellen Trends und subkulturellen Strömungen geboten werden.

Musikproduzierende Jugendliche erwarten von uns:
· Übungsmöglichkeiten bzw. Räumlichkeiten für Auftritte
· technisches Equipment
· Anleitung und Unterstützung

In Kooperation von hauptamtlichen MitarbeiterInnen und Jugendlichen werden Projekte entwickelt. So können die NachwuchskünstlerInnen erste Erfolge feiern und Anerkennung erhalten. Der Austausch mit Gleichgesinnten und anderen KünstlerInnen spielt dabei eine wichtige Rolle.

MusikproduzentInnen und -konsumentInnen bieten wir:
· qualifizierte Beratung und Unterstützung (z.B. technisches Know-How, Discoräume, DJ-Anlage, Kontakte zu Medien)
· PCs zum Produzieren von Werbung
· finanzielle Unterstützung (Technik, Werbung, Durchführung)
· Betreuung, Verpflegung und Übernachtungsmöglichkeit für MusikerInnen
· viele Auftrittsmöglichkeiten durch eine wöchentliche Veranstaltungsstruktur
· vielfältiges Konzertangebot mit unterschiedlichen Musikrichtungen
· eine Radiosendung zum Mitgestalten im Freien Lokalradio "Wüste Welle"
· niedrige Eintrittspreise

 

 

5.2 Offener Bereich


Der Offene Bereich ist an 4-5 Tagen (je nach Veranstaltungsfrequenz) regelmäßig außer in den Sommer-, Weihnachts- und Osterferien geöffnet:

Dienstag + Donnerstag 18 - 0 Uhr
Mittwoch + Freitag 20 - 0 Uhr
Samstag 22 - 3 Uhr

Zu dem Offenen Bereich gehört der Saal mit Theke, der Vorraum mit Tischkicker, der Fernseh- und Medienraum mit Internetzugang, der Billardraum und die Disco. Außerdem nutzen die BesucherInnen Gesellschaftsspiele, Zeitschriften und Informationsmaterial. Das musikalische Rahmenprogramm wird u.a. von jugendlichen DJs gestaltet. Hier können sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen unverbindlich ohne Konsumzwang treffen und ihre Freizeit verbringen.

Der Offene Bereich ist ein wichtiger Bestandteil der pädagogischen Arbeit, um Kontakte zu den BesucherInnen aufzubauen und das für die Beziehungsarbeit notwendige Vertrauen zu gewinnen.

Pro Abend ist ein/e Sozialpädagoge/in verantwortlich. Dadurch steht er/sie kontinuierlich als Ansprechperson für Gespräch, Information und Beratung zur Verfügung.

 

 

5.3 Freiwillige Gemeinschaftsarbeit


Die Lebenslagen und -probleme benachteiligter junger Menschen haben entscheidenden Einfluss auf deren Bildungs-, Ausbildungs- und Erwerbskarrieren.

Die Freiwillige Gemeinschaftsarbeit hat das Ziel, die Eingliederungschancen arbeitsloser junger Menschen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsstellenmarkt zu verbessern. Durch diese Beschäftigungsmaßnahme soll der Arbeitsalltag trainiert sowie Arbeitsmotivation und Ausbildungsinteresse geweckt und verstärkt werden.
Die FGAs werden in den unterschiedlichen Bereichen eingesetzt - bei der allgemeinen Hausorganisation, bei Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltungen und im Offenen Bereich, in der Schreinerei, bei der Öffentlichkeitsarbeit (Gestaltung des Monatsprogrammes und der Plakate bzw. Flyers am PC, Homepage, Plakatieren). Für die Betreuung ist je ein/e Sozialpädagoge/in zuständig. Die Unterstützung bei individuellen Lebensproblemen, und der eigenständigen Lebensplanung ist ein entscheidender Aspekt der pädagogischen Arbeit.

Jugendliche und junge Erwachsene erwarten von einer FGA-Stelle im Haus:
· eine sinnvolle Beschäftigung an einem angenehmen Arbeitsplatz
· Vorbereitung für die Arbeitswelt
· persönliche und berufliche Orientierung
· eigene Fähigkeiten entdecken
· Unterstützung
· finanzielle und soziale Sicherung

Wir bieten ihnen:
· Beratung zur beruflichen und persönlichen Entwicklung
· Möglichkeit der Freistellung für Praktikas in Betrieben
· Alltags- und Arbeitsstruktur, Regelmäßigkeit
· Möglichkeiten zur kreativen und selbstbestimmten Beschäftigung
· Team- und Kritikfähigkeit
· Akzeptanz der Stärken und Schwächen, Eingehen auf die individuellen Fähigkeiten

 

 

5.4 Medienbereich


Für Jugendliche sind elektronische Medien bereits zu einem selbstverständlichen Bestandteil ihrer Lebenswelt und Kultur geworden. Die Computeranwendungen werden neben Lesen, Schreiben und Rechnen zur vierten Kulturtechnik und bestimmen damit über individuelle Lebensentwürfe und Startchancen.
Computer sind multifunktionale Medien, die als Arbeitshilfe (zum Lernen), zur Unterhaltung (zum Spielen) und als Kommunikationsmedium im Internet (zur Informationsbeschaffung und zum Austausch) genutzt werden.

Leitlinien aus Sicht der MitarbeiterInnen:
· Fortbildung und Schulung der haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen zur Vermittlung medienpädagogischer und technischer Kompetenz
· Multimediaangebote im Jugendhaus als Ausgleich im Sinne einer Chancengleichheit
· Verknüpfung bereits vorhandener medienpädagogischer Angebote (u.a. Musikproduktion) mit der Computerarbeit zur Erprobung zusätzlicher Anwendungsformen
· Spielerische und experimentelle Interessen der Jugendlichen ansprechen
· Unterstützung der persönlichen Kommunikation unter den Jugendlichen und der Fähigkeit zur Selbsteinschätzung durch Art des Angebots und Methoden der Gruppenarbeit

Jugendliche ComputernutzerInnen erwarten von uns:
· Technische und räumliche Ausstattung zum Arbeiten und Spielen, um an der Zukunftstechnologie teilhaben zu können.
· Elektronische Medien in einem Freiraum kennenlernen und Neugier befriedigen.
· Unterstützung für die Schule und Perspektiven für die berufliche Zukunft.

Daher bieten wir Konzepte für unterschiedliche NutzerInnen und Nutzergruppen:
· Computerarbeitsplätze für junge Angestellte aus dem FGA-Programm mit Fortbildung und Schulung für haupt- und ehrenamtliche MitarbeiterInnen und Vereinsmitglieder
· Internetwerkstatt im Billardraum mit zwei Multimedia-Rechnerplätzen mit öffentlichem Internetzugang und zur Erstellung persönlicher Hompages
· Kurse und Events als Angebote für den offenen Bereich
· Grafik- und Bildbearbeitung (Plakate, Postkarten, Einladungen, Programm-hefte, SchülerInnenzeitungen etc.)
· Ton- und Videobearbeitung
· Offenes Angebot für Jugendliche, die sich selbst helfen können mit Programmierung und Systemsteuerung und Spielen (LAN-Partys)

Perspektive:
· Der Auszug des Frauencafés aus dem ersten Stockwerk ist die Voraussetzung, um ein Multimedia- und Internetcafé mit offenem Angebot und Tagesbetrieb einzurichten.
· Übergangsweise könnte das Frauencafé für Mädchenprojekte im Computerbereich an einem Tag in der Woche zur Verfügung gestellt werden.

Das bereits bestehende Angebot soll mit zusätzlichen Rechnerarbeitsplätzen und Experimentierrechnern ausgebaut werden.
Dann wäre die Voraussetzung geschaffen zum Aufbau eines regionalen Medienzentrums für:
· Kurse und Fortbildung (Medienkompetenz)
· Mailserver (Mailservice als Angebot im offenen Bereich)
· Experimente mit neuen Medien
· Internetberatung

Weitere Voraussetzungen:
· Öffentliche Mittel (von der Stadtverwaltung und der Jugendstiftung Baden Württemberg)
· Sponsoring
· Hauptamtliche Stellen sollten bei der Stadt Tübingen geschaffen werden
· Ehrenamtliche MitarbeiterInnen können gewonnen werden

 

 

5.5 Junge Frauen


Trotz Gesellschaftswandel und veränderten Lebensformen bzw. Rollenverteilungen der Geschlechter kann nach wie vor nicht von Gleichberechtigung und Chancengleichheit gesprochen werden.
Förderung der Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen bzw. jungen Frauen und Männern, Berücksichtigung unterschiedlicher Lebenszusammenhänge und Abbau der Benachteiligungen zwischen den Geschlechtern wird in der Jugendhilfe als Zielsetzung festgeschrieben und ist wichtiger Aufgabenbereich in der Jugendarbeit.

Mädchen und junge Frauen stellen keineswegs eine "Problemgruppe" bzw. "besonders benachteiligte Gruppe" dar. Es besteht eher die Gefahr, dass durch eine zu einseitige Sichtweise die Mädchen- und Frauenarbeit ins Abseits gerät und stigmatisiert wird. Die verschiedenen geschlechtsspezifischen Lebenswelten, Interessen und Verhaltensmuster im Umgang mit Problemen und Konflikten sind zu berücksichtigen, um die jungen Menschen bei der Entfaltung der Persönlichkeit zu unterstützen.

Mädchen- und Frauenarbeit im Epple-Haus bewegt sich verstärkt auf der Beziehungsebene, insbesondere durch die tägliche Arbeit mit den im Haus tätigen jungen Frauen und den Besucherinnen des Offenen Bereiches. Im Vergleich zu anderen Jugendhäusern ist das Epple-Haus "anders" - durch die BesucherInnenstruktur, die Zielgruppe und die Arbeitsschwerpunkte.
Für Jugendliche ist es überaus wichtig, die Freizeit mit der Clique zu verbringen. Bei der Zielgruppe der jungen Frauen ab 16 Jahren besteht kaum Bedarf, ein spezielles Frauenangebot wahrzunehmen. Das Medienangebot ist eine Möglichkeit, diese Altersgruppe anzusprechen.