Pressemitteilung 26.05.17

Wir, die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen des selbstverwalteten Jugendzentrums Epplehaus e.V., haben uns in den letzten Wochen intensiv mit den sexuellen Belästigungen und Grenzüberschreitungen auseinandergesetzt, mit denen wir und unsere Gäste auf den Veranstaltungen des 12. und 13. Mai 2017 konfrontiert waren.

Wir können hinsichtlich der Ereignisse nur das Bild darstellen, das durch unseren Austausch mit der Fachschaft, den am Abend anwesenden ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen und einigen Betroffenen entstanden ist. Es handelt sich also lediglich um unsere Wahrnehmung, wir wollen in keinem Fall für alle Betroffenen sprechen.
Im späteren Verlauf beider Abende wurden Frauen* von Einzelpersonen teils penetrant angemacht, unangenehm angetanzt und angefasst oder verbal angegangen. Wir haben eine solche Situation durch die positive Erfahrung der letzten Jahre beim „paedfeschd“ und der „Queerdonism“ nicht erwartet.

Diese nicht hinnehmbaren Ereignisse können und wollen wir nicht ignorieren. Wir thematisieren sie offen und sind uns der Dringlichkeit einer umfassenden Nachbereitung bewusst. Wir haben an uns selbst den Anspruch, einen sicheren Raum für alle Menschen zu gestalten, diesem Anspruch sind wir an dieser Stelle nicht gerecht geworden. Dies bedauern wir sehr. Nun ist es an uns, allen Beteiligten wieder einen sicheren Raum bieten zu können und wir stellen uns dieser Aufgabe.
Dazu gehören die Überarbeitung unseres Schutzkonzepts, dessen Erweiterung durch eine geschulte Awareness-Gruppe und ausgiebige Selbstreflexion sowie ein konstruktiver Dialog mit der Stadt. Wir arbeiten fokussiert mit Professionellen aus den Bereichen der sozialen Frauen*- und Jugendarbeit und der Kulturwissenschaft zusammen, um Konzepte zu entwickeln, die langfristig diskriminierenden, im Speziellen sexualisierten Übergriffen präventiv entgegenwirken sollen.

Nicht unkommentiert lassen wollen wir jedoch auch die Rassifizierung der Problematik durch einen großen Teil der medialen Öffentlichkeit. Das öffentliche Interesse ist legitim und berechtigt, doch wie sich der Oberbürgermeister Boris Palmer dazu äußert, ist unverantwortlich. Durch suggestive Facebookposts bietet er einer anonymen rassistischen Masse eine Plattform, die wir für gefährlich halten. Das eigentliche Problem, das hinter den Vorfällen steht, ist Sexismus, und dieser gehört auch zur deutschen Gesamtgesellschaft, die wir aktiv zu verändern suchen.

Diese Kritik am Diskurs halten wir für notwendig, doch wollen wir nochmals betonen, dass momentan die oberste Priorität beim sensiblen Umgang mit Betroffenen und der konzentrierten Arbeit am Epplehaus als Schutzraum für alle liegt.

Pressemitteilung 19.05.17

Wir, das Epplehaus, beziehen Stellung zur bisherigen medialen Debatte über die Ereignisse vergangenen Wochenendes 12./13. Mai 2017.

Die in der Presse bisher erschienenen Äußerungen von einzelnen ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen des Hauses können nicht als offizielle Stellungnahme des Vereins Epplehaus e.V. verstanden werden, da wir die Geschehnisse nicht verharmlosen wollen.
Bei den Veranstaltungen am Freitag und Samstag kam es zu nicht hinnehmbaren Grenzüberschreitungen und sexuellen Belästigungen.

Mit diesen Problematiken sind wir schon länger konfrontiert und haben diverse Maßnahmen zum Schutz der Gäste und der Mitarbeiter*innen (Schutzpersonal, Hausverbote, Arbeitskreise) entwickelt. An diesen Abenden haben wir die Situationen zusammen mit den Mitveranstalter*innen falsch eingeschätzt und waren diesen im späteren Verlauf der Veranstaltungen nicht mehr gewachsen. Dies tut uns leid. Wir stehen hinter den Betroffenen und haben bereits Schritte eingeleitet, um zukünftig angemessen reagieren und einen sicheren Raum für Alle bieten zu können. Wir vermitteln bei Bedarf professionelle Unterstützungsmöglichkeiten.

Gemeinsam mit der Fachschaft Erziehungswissenschaft und mit Unterstützung des Netzwerks Antidiskriminierung e.V. befinden wir uns im Reflexionsprozess und im engen Austausch, um das Thema sachlich weiter zu bearbeiten. Hierbei möchten wir die Betroffenen einbeziehen und laden zum Austausch ein.

Gern treten wir auch in den Dialog mit der Stadt.