Ernst & Karola Bloch Woche / AlDi

Nächste Woche ist Ernst und Karola Bloch Woche!
Wir sind am Donnerstag selbst mit einem Stand beim Alternativer Dies Universitatis (AlDi) im Clubhaus (Wilhelmstraße 30) – schaut auf einen Kaffee oder Tee vorbei!
Pünktlich zum Semestereinstieg gibt es die ganze Woche über zahlreiche Vorträge, Filme und Workshops u.A. zu den Themen Feminismus, Rassismus, Hausbesetzungen und Kapitalismus.
https://www.facebook.com/BlochWochen/events
https://www.stura-tuebingen.de/bloch-woche

Aufruf: Landesweite Demonstration am 13. Oktober in Karlsruhe

Unter dem Motto „Gegen nationalistische und rassistische Hetze! Stoppt den Wettlauf zur Ausgrenzung und Entrechtung! Gleiche Rechte und ein gutes Leben für Alle !“ ruft das Antirassistische Netzwerk Baden-Württemberg zu einer landesweiten Demonstration am Samstag, den 13. Oktober in Karlsruhe auf. Beginn ist 14 Uhr am Bahnhofsvorplatz Karlsruhe. Das Bündnis Bleiberecht Tübingen ruft zur Teilnahme an dieser Demonstration auf.
Gemeinsame Abfahrt ab Hbf. Tübingen: 11:37 Uhr (Gleis 2).
Treffpunkt 11:15 Uhr Eingangshalle Hbf Tübingen (BaWü-Tickets organisieren!)
Mehr Informationen zur Demo: https://bleiberecht.mtmedia.org/2018/09/13/landesweite-demonstration-am-13-oktober-in-karlsruhe/

*Aufruf zur Climate March Demonstration am 20.10.2018 in Tübingen*

In diesem Sommer ist die Klimafrage bei allen angekommen: Absurde Dürren
auch in Deutschland, Warnungen vor Kippmomenten und einer Erderwärmung
um tödliche 5°C, dann die gewaltvolle Räumung des Hambacher Walds. All
das sind bereits Auswirkungen des Klimawandels. Sie lassen uns das
Ausmaß dessen erahnen, was in Zukunft auf uns zukommen wird.

Doch wir lehnen es ab, abzuwarten und in Zynismus zu verfallen!
Klimawandel ist kein Schicksal – Klimawandel wurde und wird nach wie vor
von Menschen gemacht. Paradebeispiel dafür ist die Energiegewinnung aus
Braunkohle: Obwohl es sich dabei um die klimaschädlichste Form der
Stromerzeugung handelt, obwohl sich im Rheinland die größte CO2-Quelle
Europas befindet, obwohl ein schneller Braunkohleausstieg sinnvoll, ja
sogar rentabel gestaltet werden könnte, zögert der Braunkohleweltmeister
Deutschland in diesem Punkt noch immer. Währenddessen heizt sich unser
Planet immer weiter auf und unser Naturerbe wird irreversibel geschädigt.

Aber es sind auch Protest und Alternativen, die von Menschen gemacht
werden. Sei es der jahrelange, hartnäckige, heldenhafte Protest im
Hambacher Forst, sei es die gewachsene Tübinger Initiative: Wo immer
sich lokal Menschen zusammenfinden, um Klimawandel und Profitlogik
entgegenzutreten, tun sie das auch in einem Bewusstsein, dass es um
globale Probleme geht.

Besonders verheerend ist nämlich, dass die Klimakrise vor allem
diejenigen trifft, die am wenigsten dazu beigetragen haben. In
den Ländern des Globalen Südens sind die Auswirkungen des Klimawandels
durch Wetterextreme schon jetzt besonders stark und drängen Menschen in
Armut und Migration. Globale Ungerechtigkeit ist einerseits Teilursache
des menschengemachten Klimawandels, andererseits wird sie durch ihn
immer weiter zugespitzt. Allein deshalb ist unsere politische
Einmischung, die über die Konsumkritik hinausgeht, dringend nötig!

In Deutschland tagt zur Zeit die „Kommission für Wachstum,
Strukturwandel und Beschäftigung“, die als Kohlekommission einen Plan
für den Braunkohleausstieg Deutschlands erarbeiten soll. Neben ihrem
paradoxen Namen weist sie noch weitere Mängel auf: Überwiegend
Wirtschaftsvertreter*innen verhandeln hier mit Politiker*innen. Und auch
wenn Umweltschützer*innen mit dabei sind – diejenigen, die die
Hauptfolgen tragen, weil sie etwa zum ärmeren Teil der Weltbevölkerung
gehören, sitzen nicht mit am Tisch. Doch die Gefahr besteht, dass die
Ergebnisse dieser ‚Kohlekommission‘ weitreichende Bedeutung haben werden.

Wir sehen nur eine Lösung: Die richtige Antwort auf dieses geschlossene,
fehlerhafte, aber möglicherweise bedeutende Gremium muss Transparenz,
Einmischung, Öffentlichkeit sein. Es braucht uns! Es muss jetzt unser
gemeinsames Ziel sein, den Druck aus der Gesellschaft zu erhöhen und
aufrechtzuerhalten, um den Ausstieg aus der Kohle politisch zu
erzwingen. Die Zeit der Zugeständnisse an die Profitinteressen der
einzelnen Konzerne muss ein Ende finden! Die richtigen Entscheidungen,
die allen Menschen auf unserem Planeten eine gute Zukunft ermöglichen,
müssen jetzt getroffen werden!

Dafür gehen Menschen bundesweit auf die Straßen, in Wälder, in
Kohlegruben. Auch in Tübingen schließen wir uns der Klimabewegung an und
demonstrieren gemeinsam am 20.10. für den schnellen Braunkohleausstieg
und eine klimagerechte Welt. Mit Euch?

Teilt unseren Aufruf, werdet Unterstützer*in (siehe
climatemarchtübingen.wordpress.com), und kommt natürlich mit Euren
Freund*innen um 13:00 Uhr auf den Europaplatz!

Wir fordern den sofortigen Ausstieg aus der Braunkohle. Er ist möglich und nötig!

Wir solidarisieren und mit den Besetzer*innen im Hambacher Forst. Wir
verstehen Euren Kampf, er ist unserer!
Wir stehen auf für globale Klimagerechtigkeit und Energiedemokratie. Das
ist eine Welt, in der wir leben wollen!

Ende Gelände Tübingen, 25.09.2018

Aufruf zur solidarischen Prozessbegleitung!

Am 29.04.2017 kam es zu einem versuchten Angriff von Faschisten der
Kleinstpartei „Der III. Weg“ auf einen antifaschistischen Infostand in
Rottenburg am Neckar. Die anwesenden Antifaschist*innen reagierten so
besonnen, dass sich die Angreifer schnell gezwungen sahen das Weite zu
suchen.
Diese Antifaschist*innen sind nun von Repression betroffen!

Mit der Repression stellt die Staatsanwaltschaft und Polizei die
Tatsachen mal wieder auf den Kopf: antifaschistische Gegenwehr wird
verfolgt und soll bestraft werden, die Faschisten, von welchen der
Angriff ausging, werden geschützt und als Opfer dargestellt.

Nun wurde der erste Prozess terminiert, bei dem 2 AntifaschistInnen auf
der Anklagebank sitzen.

Dieser findet am Montag, 16.07.2018 um 13:30 Uhr im Amtsgericht
Rottenburg statt. Im Rahmen der Kampagne Solidarität und Widerstand
rufen wir zu einer solidarischen Prozessbegleitung auf!

Zugtreffpunkt aus Tübingen zur Kundgebung am Montag, 16. Juli, 12:00 Uhr
vor dem Amtsgericht Rottenburg a.N.:

wann?: Montag, 16. Juli 2018, 11:00 Uhr
wo? : Tübingen HBF

Weitere Informationen und die Solidaritätserklärung gibt es auch unter:
http://otfr.blogsport.de/solidaritaet-widerstand/

Schwarz-Rot-Geil?

 

Schwarz-Rot-Geil?
Ein paar kritische Anmerkungen zum WM-Nationalstolz
Es ist mal wieder soweit: Die Männer-WM steht an. In den Hallen der heimischen Supermärkte nehmen viele Produkte eine schwarzrotgoldene Färbung an, um sich so besser zu verkaufen.
Die Menschen erwerben auch wieder Plastikfähnchen, um sie an ihren Auto zu befestigen. Es herrscht Euphorie und unbegründete Aufbruchsstimmung.
Wer dagegen das ganze Fahnen-Gewedel kritisiert gilt schnell als Spielverderber und Nestbeschmutzer und wird schnell angefeindet. Wir wollen trotzdem mal eine weitgehend sachliche Kritik an dem WM-Nationalismus wagen. Weniger in der Hoffnung, damit emotionalisierte Deutschland-Fans zu erreichen, als mehr diejenigen die kritische oder unentschlossen sind.

Grundsätzlich sehen wir keine logische Basis in der Trennung in ‚guten‘ Patriotismus und ’schlechten‘ Nationalismus. Auch im scheinbar harmloseren Patriotismus ist eine Abwertung, wie sie meist nur dem Nationalismus unterstellt wird, zumindest angelegt. Der Wir-Bezug führt zur Abgrenzung von „den Anderen“ und durch die Hochschätzung „des Eigenen“ kommt es schnell zur Geringschätzung „des Anderen“.
Deshalb glauben wir auch nicht an einen „gesunden Patriotismus“. Oder um es mit dem Känguru zu sagen: „»Gesunder Patriotismus klingt für mich ein bisschen wie „gutartiger Tumor“«“ (Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Chroniken, Seite 208)
Wir möchten gerne exemplarisch am WM-Nationalismus ausführen, was uns grundsätzlich am Nationalismus, oder meinetwegen auch ‚Patriotismus‘, stört.

‚Nationen‘ und ‚Völker‘ sind keine natürlichen Einheiten, sondern Konstrukte
Knapp 82 Millionen unterschiedliche Menschen werden in die Schublade „Deutschland“ gestopft. Diese Menschen haben erst einmal nichts gemein als ihren zufälligen Wohn- bzw. Geburtsort und ihren Pass.
Es gibt keine objektiven Grundlagen zur Herausbildung einer ‚Nation‘ oder eines ‚Volkes‘. Die Grundlage dieser Kollektive besteht vor allem im Willen ihr Teil zu sein. So werden sie täglich durch Performanz und Bejahung neu herausgebildet. Während der Männer-EM- und WM-Spielen der deutschen Mannschaft wird das besonders gut sichtbar. Ein gemeinsames Wir-Gefühl wird erschaffen durch ein gemeinsames Ziel, gemeinsame Symbolik und geteilte Gefühle.
Bei der Suche nach weiteren Gemeinsamkeiten als dem Willen dazuzugehören wird es schwierig. Die Sprache? In Österreich und der Schweiz sprechen auch viele Menschen Deutsch, während hierzulande andererseits viele Personen eine andere Muttersprache haben (Türkisch, Italienisch, Sorbisch etc.).
Auch wenn Menschen eine gemeinsame deutsche Kultur anführen, überzeugt das nicht. Zwischen einem Punker-Girl in Hannover und einem Trachten-Träger in einem bayrischen Dorf liegen kulturelle Welten.
Es gibt zwar gewisse kulturelle Prägungen (etwa eine säkular-christliche durch die staatlich verordneten Feiertage), die aber durchaus abgelegt oder mit anderen Kulturen und individuellen Neigungen kombiniert werden können.
Nun wollen aber einige Leute unbedingt stolz auf Deutschland sein. Da stellt sich doch die Frage worauf sie genau stolz sind. Als Antwort werden dann Dinge genannt wie: Deutsche Markenqualität, Goethe, die schönen deutschen Wälder oder eben auf die Leistungen der deutschen Nationalelf bei der Männer-WM.
Doch die Leute, die solche Antworten geben, haben meist nichts zu tun mit der Qualität von Produkten zu tun, haben nicht Goethes Werke verfasst, tragen nur selten etwas zur Schönheit der Natur bei (die sich übrigens auch nicht an Grenzen hält) und haben ebenso wenig die Tore bei der Männer-WM geschossen. Letztlich findet vor allem eine Fremd-Aneignung von positiven Dingen und Leistungen statt. Dabei müsste man, wenn man schon auf all diese Dinge stolz ist, sich gleichzeitig auch ganz schön schämen – besonders im postnazistischen Deutschland. Stolz-Deutsche lehnen den Begriff „Kollektivschuld“ gerne entrüstet ab, aber ihren Kollektivstolz tragen sie vor sich her.

Nationalismus ist nicht hilfreich
Wie gezeigt, ist Nationalstolz oder Patriotismus eine ziemlich konstruierte Sache. Mit dem Appell an die Kollektividentität werden reale Unterschiede zwischen Individuen und sozialen Gruppen nicht zum Verschwinden gebracht, sondern nur übertüncht. Für einen Obdachlosen stellt es keine reale Verbesserung seiner Lage dar, wenn Deutschland Exportwelt- oder Fußballweltmeister wird. Oft wird verlangt, zugunsten des nationalen Kollektivs auf irgendwas zu verzichten. Da wird dann z.B. eine Nullrunde in den Lohnverhandlungen hingenommen, um den Standort Deutschland aufzuwerten. Oder im Extremfall sollen Väter und Mütter auf ihre Söhne verzichten, die für das Vaterland in den Krieg ziehen.
Dabei haben die Menschen diesseits und jenseits der Grenze ein gemeinsames Interesse gegenüber den herrschenden Verhältnissen. Doch die Akzeptanz der Grenze und der in ihnen gefangenen National-Kollektive führt dazu, dass sich die Menschen mit denselben Interessen gegeneinander ausspielen lassen.
Das geht bis hinein in die Gewerkschaften, die einen Standortnationalismus praktizieren, der die Lohnabhängigen weltweit in ‚Nationen‘ aufspaltet. Damit werden die Prinzipien der Konkurrenzgesellschaft, in der wir leben, auf nationaler Ebene reproduziert.

Gefahr der Eskalation
In der emotionalen Aufgeladenheit ist auch immer eine gewisse Gefahr der Eskalation angelegt. Hier offenbart auch der scheinbar harmlose Männer-WM-‚Patriotismus‘ seine gefährliche Ader. Sowohl im Sieg als auch in der Niederlage steckt die Eskalation. Bei einer Niederlage wenden sich die Aggressionen schnell gegen das Gewinner-Team und seine (vermeintlichen) VertreterInnen. Bei einem Sieg werden schnell auch mal chauvinistische Töne laut („So sehen Sieger aus“) und das Verlierer-Team und seine (vermeintlichen) VertreterInnen werden noch einmal extra gedemüdigt, um den Sieg abzurunden.
Beides ließ sich bei Männer-Fußball-Meisterschaften in Vergangenheit zur genüge beobachten.
Generell ist der Appell ans Nationale gefährlich, denn jede Form von Nationalismus – auch ‚Patriotismus‘ – ist ausgrenzend. Jede ‚Nation‘ ist ein exklusiver Club, in den nicht jede/r rein kann, der/die will. Früher wurden Menschen nicht akzeptiert, die kein „deutsches Blut“ (was es natürlich gar nicht gibt) haben, heute sind es Flüchtlinge oder arme Nicht-EU-Ausländer, denen der deutsche Pass und Zugehörigkeit verweigert wird.
Mit Nationalismus lassen sich auch wunderbar Kriege führen. Die Kriege, die das Kollektiv führt, dem man sich selbst zuordnet, sind immer akzeptierter. Im Englischen heißt es: „Right or wrong, my country!“. Schon Heinrich Heine wusste kritisch anzumerken: „Auf den Nationalismus berufen sich alle, die menschliches Elend verursachen und ausnützen.“

WM-Nationalismus ist vor allem Männersache
Was auch in der linken Kritik am WM-Nationalismus häufig untergeht, ist seine Nähe zu konservativen Geschlechterrollenbildern. Das merkt man schon an der verschiedenen Wertigkeit von Männer- und Frauen-Fußball-WM. Frauen* dürfen sich an den Männer-WMs zwar beteiligen, aber nur als Fans und eher am Rande. Fußball gilt immer noch als klassischer Männer-Sport. Gemeint ist hier die heterosexuelle Männlichkeit. Es hat einen Grund, warum sich bisher kein aktiver Männer-Bundesligaspieler als schwul geoutet hat.
Generell nehmen Frauen auch unter den Fans eher eine Objekt-Rolle ein. Ihnen wird oft pauschal unterstellt von Fußball keine Ahnung zu haben und die männlichen Experten erklären dann netterweise den Frauen* alles („Mansplaining“). Ansonsten dürfen sie vor allem hübsch aussehen, egal ob die Spieler-Partnerinnen oder Frauen in der Werbung mit WM-Bezug. Hier trifft sich der Fußball ganz gut mit dem deutschen Nationalismus. Ist doch schon in der Nationalhymne die Rede von „deutsche Frauen, deutscher Wein“, quasi als die guten Produkte des Vaterlandes. Ansonsten dürfen sie vor allem Kinder kriegen. Traditionell ergeht im Nationalismus an Frauen als „Mütter der Nation“ vor allem der ‚Auftrag‘ Nachwuchs zu produzieren.

Nationalismus in der Einwanderungsgesellschaft
Unzweifelhaft hat sich in den letzten Jahren die Gesellschaft gewandelt. So wurde von vielen immer mehr akzeptiert dass auch Einwanderer und ihre Nachkommen Teil Deutschlands sind.
Gerade auch in der Männer-Nationalmannschaft schlägt sich das nieder. Hier spielen viele Männer mit so genannten Migrationshintergrund. Darüber ist der Nationalismus alten Typs, also der völkische, nicht glücklich. Er hätte gerne eine Mannschaft aus weißen und möglichst blonden und blauäugigen Männern. Die völkischen Hardliner, etwa von der NPD, lehnen daher die Männer-WM-Mannschaft sogar zur Gänze ab.
In Deutschland gibt es heute zwei Varianten des Nationalismus: Einerseits eine alte, völkische Variante, die grundsätzlich nur weiße Herkunftsdeutsche als „echte“ Deutsche akzeptiert. Diese Variante wird im parteipolitischen Spektrum von großen Teilen der AfD (Höcke, Meuten, Gauland) und der NPD vertreten. Sie träumen von Deutschland als homogener Nation. Da diese Homogenität in Realität nicht exisitiert, steht bei einer Machtübernahme der Völkischen zu befürchten, dass sie versuchen werden diese Homogenität gewaltsam zu erzwingen.
Andererseits gibt es auch einen modernisierten und aufgeklärt anmutenden Nationalismus, der mit (erfolgreichen) MigrantInnen kein Problem hat. Diese Variante wird von großen Teilen der Union, der SPD, der Grünen und dem Wagenknecht-Flügel der Linkspartei vertreten.
Auf EU-Ebene könnte man im ökonomischen Bereich beide Varianten auch an der Position zum Euro unterscheiden. Die Völkischen und Deutschnationalen waren gegen die europäische Einheitswährung, die moderner eingestellten Deutschland-Fans waren in der Regel dafür.
Erinnerungspolitisch versucht die völkische Variante den Nationalsozialismus zu banalisieren (Gaulands „Volgelschiss“-Rede) oder sich positiv auf bestimmte Bereiche der NS-Vergangenheit (Autobahn-Lob, Gaulands Wehrmachts-Lob) zu beziehen. Der modernisierte Nationalismus dagegen banalisiert oder leugnet keine NS-Verbrechen, sondern bezieht deren Aufarbeitung eher in seinen positiven Deutschland-Bezug mit ein. Man ist stolz ‚Aufarbeitungs-Weltmeister‘ zu sein.
Beide Varianten rangeln derzeit miteinander um die Deutungshoheit des Deutsch-Seins. Nicht immer müssen sich beide Varianten widersprechen, manchmal ergänzen sie sich auch. Genauso wie rassistische Hooligans dem schwarzen Spieler ihrer Mannschaft zujubeln, wenn dieser ein Tor schießt.
Auch der modernisierte und integrativere Nationalismus bleibt problematisch. Er schließt zwar weniger Menschen aus, aber trotzdem immer noch diejenigen, die jenseits der Grenze wohnen oder sich selbst nicht als Deutsche verstehen.
Zudem zeigt sich auch dass es in migrantischen communitys eigene Nationalismen gibt. Eine Folge davon war beispielsweise, dass die türkischstämmigen deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan brav bei der Propagandashow des türkischen Autokraten Erdogan mitgespielt haben.
Gleichzeitig werden alle Nicht-Herkunftsdeutschen von vielen Herkunftsdeutschen unter pauschalen Disloyalitäts-Verdacht gestellt. Ihre wahre Loyalität liege zwingend in den Ländern ihrer Vorfahren, also nicht bei Deutschland. Von vielen werden sie quasi als Deutsche auf Bewährung gesehen. Können sie Loyalität zu oder Erfolg für das deutsche Vaterland nicht beweisen bzw. erbringen, werden sie schnell wieder verstoßen.

Fazit: Menschen statt Nationen!
Seit dem so genannten „Sommermärchen 2006“ gibt es bei Männer-Fußball-Großereignissen einen verstärkten positiven Bezug auf Deutschland in Form eines eigenen WM-Nationalismus. Dieser ist sehr viel massentauglicher als z.B. ein Verfassungspatriotismus, der eher von Teilen der Elite verfochten wird.

Wir halten ‚Nationen‘ für überflüssige und unlogische Konstrukte, Nationalismus für nicht hilfreich bis gefährlich und eng verbunden mit dem Patriarchat.
Aus diesen und noch weiteren Gründen finden wir Nationalismus, ‚Patriotismus‘ und alle näheren Verwandten und ehrlich gesagt ziemlich beknackt!
Übrigens ist auch ein positiver Europa-Bezug keine tolle Alternative zum deutschen Nationalismus. Warum sollten Menschenliebe und Solidarität am Ural oder Bosporus enden?
Dann bilden wir doch lieber gleich die „Assoziation freier Individuen“ (Karl Marx).
Uns sind die einzelnen Menschen wichtig und nicht die ‚Nationen‘, ‚Völker‘ oder Kontinente. Wir sehen oft, dass wir vielleicht mehr Gemeinsamkeiten mit einem linksalternativen Punk in Tokyo oder Tel Aviv haben, als mit unserem konservativen Nachbarn, der gerne Wagner hört.
Uns ist klar das wir zuallererst gegen ein Gefühl mit Argumenten antreten. Wir glauben auch nicht dass wir eine/n National-Gläubigen mit Argumenten überzeugen können, aber vielleicht die eine oder den anderen, die/der noch unentschlossen ist.

 

Pressemitteilung 26.05.17

Wir, die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen des selbstverwalteten Jugendzentrums Epplehaus e.V., haben uns in den letzten Wochen intensiv mit den sexuellen Belästigungen und Grenzüberschreitungen auseinandergesetzt, mit denen wir und unsere Gäste auf den Veranstaltungen des 12. und 13. Mai 2017 konfrontiert waren.

Wir können hinsichtlich der Ereignisse nur das Bild darstellen, das durch unseren Austausch mit der Fachschaft, den am Abend anwesenden ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen und einigen Betroffenen entstanden ist. Es handelt sich also lediglich um unsere Wahrnehmung, wir wollen in keinem Fall für alle Betroffenen sprechen.
Im späteren Verlauf beider Abende wurden Frauen* von Einzelpersonen teils penetrant angemacht, unangenehm angetanzt und angefasst oder verbal angegangen. Wir haben eine solche Situation durch die positive Erfahrung der letzten Jahre beim „paedfeschd“ und der „Queerdonism“ nicht erwartet.

Diese nicht hinnehmbaren Ereignisse können und wollen wir nicht ignorieren. Wir thematisieren sie offen und sind uns der Dringlichkeit einer umfassenden Nachbereitung bewusst. Wir haben an uns selbst den Anspruch, einen sicheren Raum für alle Menschen zu gestalten, diesem Anspruch sind wir an dieser Stelle nicht gerecht geworden. Dies bedauern wir sehr. Nun ist es an uns, allen Beteiligten wieder einen sicheren Raum bieten zu können und wir stellen uns dieser Aufgabe.
Dazu gehören die Überarbeitung unseres Schutzkonzepts, dessen Erweiterung durch eine geschulte Awareness-Gruppe und ausgiebige Selbstreflexion sowie ein konstruktiver Dialog mit der Stadt. Wir arbeiten fokussiert mit Professionellen aus den Bereichen der sozialen Frauen*- und Jugendarbeit und der Kulturwissenschaft zusammen, um Konzepte zu entwickeln, die langfristig diskriminierenden, im Speziellen sexualisierten Übergriffen präventiv entgegenwirken sollen.

Nicht unkommentiert lassen wollen wir jedoch auch die Rassifizierung der Problematik durch einen großen Teil der medialen Öffentlichkeit. Das öffentliche Interesse ist legitim und berechtigt, doch wie sich der Oberbürgermeister Boris Palmer dazu äußert, ist unverantwortlich. Durch suggestive Facebookposts bietet er einer anonymen rassistischen Masse eine Plattform, die wir für gefährlich halten. Das eigentliche Problem, das hinter den Vorfällen steht, ist Sexismus, und dieser gehört auch zur deutschen Gesamtgesellschaft, die wir aktiv zu verändern suchen.

Diese Kritik am Diskurs halten wir für notwendig, doch wollen wir nochmals betonen, dass momentan die oberste Priorität beim sensiblen Umgang mit Betroffenen und der konzentrierten Arbeit am Epplehaus als Schutzraum für alle liegt.

Pressemitteilung 19.05.17

Wir, das Epplehaus, beziehen Stellung zur bisherigen medialen Debatte über die Ereignisse vergangenen Wochenendes 12./13. Mai 2017.

Die in der Presse bisher erschienenen Äußerungen von einzelnen ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen des Hauses können nicht als offizielle Stellungnahme des Vereins Epplehaus e.V. verstanden werden, da wir die Geschehnisse nicht verharmlosen wollen.
Bei den Veranstaltungen am Freitag und Samstag kam es zu nicht hinnehmbaren Grenzüberschreitungen und sexuellen Belästigungen.

Mit diesen Problematiken sind wir schon länger konfrontiert und haben diverse Maßnahmen zum Schutz der Gäste und der Mitarbeiter*innen (Schutzpersonal, Hausverbote, Arbeitskreise) entwickelt. An diesen Abenden haben wir die Situationen zusammen mit den Mitveranstalter*innen falsch eingeschätzt und waren diesen im späteren Verlauf der Veranstaltungen nicht mehr gewachsen. Dies tut uns leid. Wir stehen hinter den Betroffenen und haben bereits Schritte eingeleitet, um zukünftig angemessen reagieren und einen sicheren Raum für Alle bieten zu können. Wir vermitteln bei Bedarf professionelle Unterstützungsmöglichkeiten.

Gemeinsam mit der Fachschaft Erziehungswissenschaft und mit Unterstützung des Netzwerks Antidiskriminierung e.V. befinden wir uns im Reflexionsprozess und im engen Austausch, um das Thema sachlich weiter zu bearbeiten. Hierbei möchten wir die Betroffenen einbeziehen und laden zum Austausch ein.

Gern treten wir auch in den Dialog mit der Stadt.

Jahresrückblick 2016

Wir haben hier ein paar Zahlen zusammengestellt, die euch veranschaulichen, was uns im letzten Jahr so umgetrieben hat.

Veranstaltungen

Insgesamt war der Veranstaltungstakt gegenüber den Vorjahren etwas niedriger, was uns aber auch erlaubt hat, uns einigen größeren Projekte, wie z.B. der neuen Homepage zuzuwenden.

Dennoch kamen wir auf 92 Musik-Veranstaltungen, im Schnitt also fast 2/Woche. Darunter waren 58 Konzerte sowie 34 Veranstaltungen elektronischer Musik. Manche davon waren Solipartys, deren Erlös (z.B. unserem Flüchtlings-AK) gespendet wurde, manche waren kleine Festivals wie das Hardcore Winterfest oder das Blastphemy Springfeast. Angeblich fand sogar ein Surf-Konzert im Uhlandbad statt.

Im elektronischen Bereich gab es einige Verschiebungen. Das alte Mono/Stereo-Konzept wurde endgültig aufgehoben und zum Teil durch neue Kooperationen mit externen Veranstaltungsgruppen (z.B. Bunte Klänge), zum Teil durch hauseigene Veranstaltungsreihen, wie die Polyphon, abgelöst.

Der durchschnittliche Eintrittspreis unserer mehr als 10.000 zahlenden Gäste lag bei 4,73€.

Außerdem fanden diverse politische Vorträge statt. Unsere Input-Reihe lag zwar zwischendurch mal auf Eis, wurde aber zu Beginn dieses Jahres wieder neu ins Leben gerufen.

Projekte

Außerhalb des Veranstaltungsbereichs liefen die meisten etablierten Projekte unbeirrt weiter: Proberaum & Bits‘n‘Bytes waren laufend ausgebucht, die Siebdruck-, Elektronik- und Holzwerkstätten arbeiten vor sich hin,der Finanz-AK zählt und rechnet, zählt und rechnet, der Flüchtlings-AK trifft sich immer noch donnerstags um 18:30 und im Plenum wird nach wie vor wöchentlich die Selbstverwaltung organisiert.

Dazu kamen 2016 die Diskussionen über Layout & Inhalt der neuen Homepage bzw. der neuen Hausfassade; die Organisation einer Demo gegen die rassistische Hetze (Stop the racist threat!); diverse politische Stellungnahmen; die Unterstützung der Zelle in Reutlingen, deren Existenz einmal mehr von der Stadtverwaltung bedroht wurde; die Teilnahme am Weihnachtsmarkt oder der Kulturnacht; die Gründung eines Arbeitskreises für mehr Barrierefreiheit im Epplehaus; Förderanträge für Veranstaltungstechnik – Installation einer neuen Lichtanlage und nicht zuletzt einige Struktur- und Orga-Debatten, deren Details wir euch hier ersparen wollen 🙂

Neue Homepage

Hallo Leute,

wir haben’s endlich (nach nur knapp 20 Jahren) geschafft eine neue Homepage in die Welt zu setzen. Jetzt erfährt man dort nicht nur was wir machen, sondern was das Epple überhaupt ist, wie es funktioniert, wie ihr mitmachen könnt und warum wir gerne Sofas vom Balkon werfen. Viel Spaß beim Stöbern!