Aufruf zur solidarischen Prozessbegleitung!

Am 29.04.2017 kam es zu einem versuchten Angriff von Faschisten der
Kleinstpartei „Der III. Weg“ auf einen antifaschistischen Infostand in
Rottenburg am Neckar. Die anwesenden Antifaschist*innen reagierten so
besonnen, dass sich die Angreifer schnell gezwungen sahen das Weite zu
suchen.
Diese Antifaschist*innen sind nun von Repression betroffen!

Mit der Repression stellt die Staatsanwaltschaft und Polizei die
Tatsachen mal wieder auf den Kopf: antifaschistische Gegenwehr wird
verfolgt und soll bestraft werden, die Faschisten, von welchen der
Angriff ausging, werden geschützt und als Opfer dargestellt.

Nun wurde der erste Prozess terminiert, bei dem 2 AntifaschistInnen auf
der Anklagebank sitzen.

Dieser findet am Montag, 16.07.2018 um 13:30 Uhr im Amtsgericht
Rottenburg statt. Im Rahmen der Kampagne Solidarität und Widerstand
rufen wir zu einer solidarischen Prozessbegleitung auf!

Zugtreffpunkt aus Tübingen zur Kundgebung am Montag, 16. Juli, 12:00 Uhr
vor dem Amtsgericht Rottenburg a.N.:

wann?: Montag, 16. Juli 2018, 11:00 Uhr
wo? : Tübingen HBF

Weitere Informationen und die Solidaritätserklärung gibt es auch unter:
http://otfr.blogsport.de/solidaritaet-widerstand/

Schwarz-Rot-Geil?

 

Schwarz-Rot-Geil?
Ein paar kritische Anmerkungen zum WM-Nationalstolz
Es ist mal wieder soweit: Die Männer-WM steht an. In den Hallen der heimischen Supermärkte nehmen viele Produkte eine schwarzrotgoldene Färbung an, um sich so besser zu verkaufen.
Die Menschen erwerben auch wieder Plastikfähnchen, um sie an ihren Auto zu befestigen. Es herrscht Euphorie und unbegründete Aufbruchsstimmung.
Wer dagegen das ganze Fahnen-Gewedel kritisiert gilt schnell als Spielverderber und Nestbeschmutzer und wird schnell angefeindet. Wir wollen trotzdem mal eine weitgehend sachliche Kritik an dem WM-Nationalismus wagen. Weniger in der Hoffnung, damit emotionalisierte Deutschland-Fans zu erreichen, als mehr diejenigen die kritische oder unentschlossen sind.

Grundsätzlich sehen wir keine logische Basis in der Trennung in ‚guten‘ Patriotismus und ’schlechten‘ Nationalismus. Auch im scheinbar harmloseren Patriotismus ist eine Abwertung, wie sie meist nur dem Nationalismus unterstellt wird, zumindest angelegt. Der Wir-Bezug führt zur Abgrenzung von „den Anderen“ und durch die Hochschätzung „des Eigenen“ kommt es schnell zur Geringschätzung „des Anderen“.
Deshalb glauben wir auch nicht an einen „gesunden Patriotismus“. Oder um es mit dem Känguru zu sagen: „»Gesunder Patriotismus klingt für mich ein bisschen wie „gutartiger Tumor“«“ (Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Chroniken, Seite 208)
Wir möchten gerne exemplarisch am WM-Nationalismus ausführen, was uns grundsätzlich am Nationalismus, oder meinetwegen auch ‚Patriotismus‘, stört.

‚Nationen‘ und ‚Völker‘ sind keine natürlichen Einheiten, sondern Konstrukte
Knapp 82 Millionen unterschiedliche Menschen werden in die Schublade „Deutschland“ gestopft. Diese Menschen haben erst einmal nichts gemein als ihren zufälligen Wohn- bzw. Geburtsort und ihren Pass.
Es gibt keine objektiven Grundlagen zur Herausbildung einer ‚Nation‘ oder eines ‚Volkes‘. Die Grundlage dieser Kollektive besteht vor allem im Willen ihr Teil zu sein. So werden sie täglich durch Performanz und Bejahung neu herausgebildet. Während der Männer-EM- und WM-Spielen der deutschen Mannschaft wird das besonders gut sichtbar. Ein gemeinsames Wir-Gefühl wird erschaffen durch ein gemeinsames Ziel, gemeinsame Symbolik und geteilte Gefühle.
Bei der Suche nach weiteren Gemeinsamkeiten als dem Willen dazuzugehören wird es schwierig. Die Sprache? In Österreich und der Schweiz sprechen auch viele Menschen Deutsch, während hierzulande andererseits viele Personen eine andere Muttersprache haben (Türkisch, Italienisch, Sorbisch etc.).
Auch wenn Menschen eine gemeinsame deutsche Kultur anführen, überzeugt das nicht. Zwischen einem Punker-Girl in Hannover und einem Trachten-Träger in einem bayrischen Dorf liegen kulturelle Welten.
Es gibt zwar gewisse kulturelle Prägungen (etwa eine säkular-christliche durch die staatlich verordneten Feiertage), die aber durchaus abgelegt oder mit anderen Kulturen und individuellen Neigungen kombiniert werden können.
Nun wollen aber einige Leute unbedingt stolz auf Deutschland sein. Da stellt sich doch die Frage worauf sie genau stolz sind. Als Antwort werden dann Dinge genannt wie: Deutsche Markenqualität, Goethe, die schönen deutschen Wälder oder eben auf die Leistungen der deutschen Nationalelf bei der Männer-WM.
Doch die Leute, die solche Antworten geben, haben meist nichts zu tun mit der Qualität von Produkten zu tun, haben nicht Goethes Werke verfasst, tragen nur selten etwas zur Schönheit der Natur bei (die sich übrigens auch nicht an Grenzen hält) und haben ebenso wenig die Tore bei der Männer-WM geschossen. Letztlich findet vor allem eine Fremd-Aneignung von positiven Dingen und Leistungen statt. Dabei müsste man, wenn man schon auf all diese Dinge stolz ist, sich gleichzeitig auch ganz schön schämen – besonders im postnazistischen Deutschland. Stolz-Deutsche lehnen den Begriff „Kollektivschuld“ gerne entrüstet ab, aber ihren Kollektivstolz tragen sie vor sich her.

Nationalismus ist nicht hilfreich
Wie gezeigt, ist Nationalstolz oder Patriotismus eine ziemlich konstruierte Sache. Mit dem Appell an die Kollektividentität werden reale Unterschiede zwischen Individuen und sozialen Gruppen nicht zum Verschwinden gebracht, sondern nur übertüncht. Für einen Obdachlosen stellt es keine reale Verbesserung seiner Lage dar, wenn Deutschland Exportwelt- oder Fußballweltmeister wird. Oft wird verlangt, zugunsten des nationalen Kollektivs auf irgendwas zu verzichten. Da wird dann z.B. eine Nullrunde in den Lohnverhandlungen hingenommen, um den Standort Deutschland aufzuwerten. Oder im Extremfall sollen Väter und Mütter auf ihre Söhne verzichten, die für das Vaterland in den Krieg ziehen.
Dabei haben die Menschen diesseits und jenseits der Grenze ein gemeinsames Interesse gegenüber den herrschenden Verhältnissen. Doch die Akzeptanz der Grenze und der in ihnen gefangenen National-Kollektive führt dazu, dass sich die Menschen mit denselben Interessen gegeneinander ausspielen lassen.
Das geht bis hinein in die Gewerkschaften, die einen Standortnationalismus praktizieren, der die Lohnabhängigen weltweit in ‚Nationen‘ aufspaltet. Damit werden die Prinzipien der Konkurrenzgesellschaft, in der wir leben, auf nationaler Ebene reproduziert.

Gefahr der Eskalation
In der emotionalen Aufgeladenheit ist auch immer eine gewisse Gefahr der Eskalation angelegt. Hier offenbart auch der scheinbar harmlose Männer-WM-‚Patriotismus‘ seine gefährliche Ader. Sowohl im Sieg als auch in der Niederlage steckt die Eskalation. Bei einer Niederlage wenden sich die Aggressionen schnell gegen das Gewinner-Team und seine (vermeintlichen) VertreterInnen. Bei einem Sieg werden schnell auch mal chauvinistische Töne laut („So sehen Sieger aus“) und das Verlierer-Team und seine (vermeintlichen) VertreterInnen werden noch einmal extra gedemüdigt, um den Sieg abzurunden.
Beides ließ sich bei Männer-Fußball-Meisterschaften in Vergangenheit zur genüge beobachten.
Generell ist der Appell ans Nationale gefährlich, denn jede Form von Nationalismus – auch ‚Patriotismus‘ – ist ausgrenzend. Jede ‚Nation‘ ist ein exklusiver Club, in den nicht jede/r rein kann, der/die will. Früher wurden Menschen nicht akzeptiert, die kein „deutsches Blut“ (was es natürlich gar nicht gibt) haben, heute sind es Flüchtlinge oder arme Nicht-EU-Ausländer, denen der deutsche Pass und Zugehörigkeit verweigert wird.
Mit Nationalismus lassen sich auch wunderbar Kriege führen. Die Kriege, die das Kollektiv führt, dem man sich selbst zuordnet, sind immer akzeptierter. Im Englischen heißt es: „Right or wrong, my country!“. Schon Heinrich Heine wusste kritisch anzumerken: „Auf den Nationalismus berufen sich alle, die menschliches Elend verursachen und ausnützen.“

WM-Nationalismus ist vor allem Männersache
Was auch in der linken Kritik am WM-Nationalismus häufig untergeht, ist seine Nähe zu konservativen Geschlechterrollenbildern. Das merkt man schon an der verschiedenen Wertigkeit von Männer- und Frauen-Fußball-WM. Frauen* dürfen sich an den Männer-WMs zwar beteiligen, aber nur als Fans und eher am Rande. Fußball gilt immer noch als klassischer Männer-Sport. Gemeint ist hier die heterosexuelle Männlichkeit. Es hat einen Grund, warum sich bisher kein aktiver Männer-Bundesligaspieler als schwul geoutet hat.
Generell nehmen Frauen auch unter den Fans eher eine Objekt-Rolle ein. Ihnen wird oft pauschal unterstellt von Fußball keine Ahnung zu haben und die männlichen Experten erklären dann netterweise den Frauen* alles („Mansplaining“). Ansonsten dürfen sie vor allem hübsch aussehen, egal ob die Spieler-Partnerinnen oder Frauen in der Werbung mit WM-Bezug. Hier trifft sich der Fußball ganz gut mit dem deutschen Nationalismus. Ist doch schon in der Nationalhymne die Rede von „deutsche Frauen, deutscher Wein“, quasi als die guten Produkte des Vaterlandes. Ansonsten dürfen sie vor allem Kinder kriegen. Traditionell ergeht im Nationalismus an Frauen als „Mütter der Nation“ vor allem der ‚Auftrag‘ Nachwuchs zu produzieren.

Nationalismus in der Einwanderungsgesellschaft
Unzweifelhaft hat sich in den letzten Jahren die Gesellschaft gewandelt. So wurde von vielen immer mehr akzeptiert dass auch Einwanderer und ihre Nachkommen Teil Deutschlands sind.
Gerade auch in der Männer-Nationalmannschaft schlägt sich das nieder. Hier spielen viele Männer mit so genannten Migrationshintergrund. Darüber ist der Nationalismus alten Typs, also der völkische, nicht glücklich. Er hätte gerne eine Mannschaft aus weißen und möglichst blonden und blauäugigen Männern. Die völkischen Hardliner, etwa von der NPD, lehnen daher die Männer-WM-Mannschaft sogar zur Gänze ab.
In Deutschland gibt es heute zwei Varianten des Nationalismus: Einerseits eine alte, völkische Variante, die grundsätzlich nur weiße Herkunftsdeutsche als „echte“ Deutsche akzeptiert. Diese Variante wird im parteipolitischen Spektrum von großen Teilen der AfD (Höcke, Meuten, Gauland) und der NPD vertreten. Sie träumen von Deutschland als homogener Nation. Da diese Homogenität in Realität nicht exisitiert, steht bei einer Machtübernahme der Völkischen zu befürchten, dass sie versuchen werden diese Homogenität gewaltsam zu erzwingen.
Andererseits gibt es auch einen modernisierten und aufgeklärt anmutenden Nationalismus, der mit (erfolgreichen) MigrantInnen kein Problem hat. Diese Variante wird von großen Teilen der Union, der SPD, der Grünen und dem Wagenknecht-Flügel der Linkspartei vertreten.
Auf EU-Ebene könnte man im ökonomischen Bereich beide Varianten auch an der Position zum Euro unterscheiden. Die Völkischen und Deutschnationalen waren gegen die europäische Einheitswährung, die moderner eingestellten Deutschland-Fans waren in der Regel dafür.
Erinnerungspolitisch versucht die völkische Variante den Nationalsozialismus zu banalisieren (Gaulands „Volgelschiss“-Rede) oder sich positiv auf bestimmte Bereiche der NS-Vergangenheit (Autobahn-Lob, Gaulands Wehrmachts-Lob) zu beziehen. Der modernisierte Nationalismus dagegen banalisiert oder leugnet keine NS-Verbrechen, sondern bezieht deren Aufarbeitung eher in seinen positiven Deutschland-Bezug mit ein. Man ist stolz ‚Aufarbeitungs-Weltmeister‘ zu sein.
Beide Varianten rangeln derzeit miteinander um die Deutungshoheit des Deutsch-Seins. Nicht immer müssen sich beide Varianten widersprechen, manchmal ergänzen sie sich auch. Genauso wie rassistische Hooligans dem schwarzen Spieler ihrer Mannschaft zujubeln, wenn dieser ein Tor schießt.
Auch der modernisierte und integrativere Nationalismus bleibt problematisch. Er schließt zwar weniger Menschen aus, aber trotzdem immer noch diejenigen, die jenseits der Grenze wohnen oder sich selbst nicht als Deutsche verstehen.
Zudem zeigt sich auch dass es in migrantischen communitys eigene Nationalismen gibt. Eine Folge davon war beispielsweise, dass die türkischstämmigen deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan brav bei der Propagandashow des türkischen Autokraten Erdogan mitgespielt haben.
Gleichzeitig werden alle Nicht-Herkunftsdeutschen von vielen Herkunftsdeutschen unter pauschalen Disloyalitäts-Verdacht gestellt. Ihre wahre Loyalität liege zwingend in den Ländern ihrer Vorfahren, also nicht bei Deutschland. Von vielen werden sie quasi als Deutsche auf Bewährung gesehen. Können sie Loyalität zu oder Erfolg für das deutsche Vaterland nicht beweisen bzw. erbringen, werden sie schnell wieder verstoßen.

Fazit: Menschen statt Nationen!
Seit dem so genannten „Sommermärchen 2006“ gibt es bei Männer-Fußball-Großereignissen einen verstärkten positiven Bezug auf Deutschland in Form eines eigenen WM-Nationalismus. Dieser ist sehr viel massentauglicher als z.B. ein Verfassungspatriotismus, der eher von Teilen der Elite verfochten wird.

Wir halten ‚Nationen‘ für überflüssige und unlogische Konstrukte, Nationalismus für nicht hilfreich bis gefährlich und eng verbunden mit dem Patriarchat.
Aus diesen und noch weiteren Gründen finden wir Nationalismus, ‚Patriotismus‘ und alle näheren Verwandten und ehrlich gesagt ziemlich beknackt!
Übrigens ist auch ein positiver Europa-Bezug keine tolle Alternative zum deutschen Nationalismus. Warum sollten Menschenliebe und Solidarität am Ural oder Bosporus enden?
Dann bilden wir doch lieber gleich die „Assoziation freier Individuen“ (Karl Marx).
Uns sind die einzelnen Menschen wichtig und nicht die ‚Nationen‘, ‚Völker‘ oder Kontinente. Wir sehen oft, dass wir vielleicht mehr Gemeinsamkeiten mit einem linksalternativen Punk in Tokyo oder Tel Aviv haben, als mit unserem konservativen Nachbarn, der gerne Wagner hört.
Uns ist klar das wir zuallererst gegen ein Gefühl mit Argumenten antreten. Wir glauben auch nicht dass wir eine/n National-Gläubigen mit Argumenten überzeugen können, aber vielleicht die eine oder den anderen, die/der noch unentschlossen ist.

 

„Lieber Tanz ich, als G20“: Redebeitrag zur Nachttanzdemo vom 15.06.17

 

Treffen sich ein amerikanischer Rechtspopulist, ein türkischer Autokrat und ein Hindunationalist….

Nein, das ist nicht der Beginn eines schlechten Witzes, sondern Teil der Spitzengäste des Gipfels der 20, kurz G20. Der G20 ist ein Gipfel der Despoten und der Herrschenden. Der Repräsentanten des globalen, imperialen Kapitalismus. Sie wollen globale Probleme lösen, ohne zu beachten, dass sie selbst und ihre Wirtschaftssysteme für den größten Teil dieser Probleme verantwortlich sind. Wirtschaftskrisen, Hunger, Flucht, Klimawandel, Kriege und Terrorismus. Es geht um „wer kriegt was“, um neue Wirtschaftsdeals und den maximalen wirtschaftlichen Profit. Nicht außer Acht gelassen wird hierbei, wie die Verlierer dieses Ungleichgewichts, über deren Köpfe hinweg entschieden wird und die anderswo mit den Konsequenzen leben müssen, daran gehindert werden sich aus ihrer Abhängigkeit zu befreien.

„Die Mitgliedstaaten der G20 repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung“,

wird uns gesagt. Dies soll die Legitimierung der Entscheidungsmacht sein.

Falsch! Sie stehen für 80% der globalen CO2-Emissionen, die Aufrechterhaltung des globalen Kapitalismus und für Kriege, die für die große Zahl an Geflüchteten der letzten Jahre verantwortlich sind – welchen dann hierzulande so oft nur mit Rassismus und Abschottung begegnet wird. Sie verhandeln allein, welches Szenario des Irrwitzes sich durchsetzt und beschreiben die vermeintliche Alternativlosigkeit zwischen knallhartem neoliberalem Freihandel oder Oligarchen-Kapitalismus und einer autoritären, nationalistischen und rassistischen Krisenlösung.

In Hamburg werden circa 15.000 Beamte erwartet, darunter auch ausländische Unterstützung durch die Terrorspezialeinheit „Cobra“ aus Österreich, sowie Niederländischen Polizisten. Des Weiteren wird die ganze Stadt in Ausnahmezustand versetzt. Es werden Bezirke abgeriegelt und Ladenbesitzer*innen und Handelsketten haben angekündigt, ihre Geschäfte zu verbarrikadieren. Außerdem wurde für weite Teile Hamburgs von der Stadt ein Versammlungsverbot verordnet, was nicht nur der eigenen Aussage von April 2017 widerspricht, sondern auch dem deutschen Grundgesetz. Diese Maßnahmen wurden aufgrund der zigtausend erwarteten Demonstrant*innen ergriffen, durch deren Auftreten auch schnell deutlich wird, wie gut sich die Bevölkerung durch ihre Führungskräfte repräsentiert sieht. Nämlich gar nicht!

Repräsentiert werden nur die Interessen der globalen Wirtschaft und des Kapitalismus.
Nicht zuletzt will Deutschland seinen, zu Beginn des Jahres vom Bildungsministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung veröffentlichten „Marshall Plan mit Afrika“ in den Diskurs einbringen. Abgesehen von der obskuren Formulierung bezogen auf das zerbombte Nachkriegsdeutschland äußert sich mal wieder das deutsche Helfersyndrom, wobei unter dem Deckmantel der humanitären Hilfe die eigenen Wirtschaftsinteressen durchgesetzt werden. So soll die Vermehrung der bisher circa 1000 in Afrika aktiven deutschen Unternehmen vorangetrieben werden.

Abgesehen von den westlichen Wirtschaftsmächten nehmen auch ökonomisch starke Länder mit ihrerseits extrem schlechten humanitären Bedingungen an dem Gipfeltreffen teil.

Indien wird durch den Premierminister Narendra Modi repräsentiert und ist zwar selbst ein postkoloniales Opfer des westlichen Imperialismus, hat sich aber durch enormen Wirtschaftsaufschwung in die Interessen des globalen Kapitalismus katapultiert. Durch die rückläufigen Handelsbeziehungen zu den USA will Merkel nun die Zusammenarbeit mit Indien ausweiten. Unter den Tisch fällt hierbei, dass der hindunationalistische Hardliner Modi Vergangenheit in radikalen Gruppen mit faschistoiden Zügen hat und mutmaßlich mit antimuslimischen Pogromen in den 90er und zu Beginn der 2000er Jahre im nordwestlichen Bundesstaat Gujarat in Verbindung steht, bei denen teils von der Regierung unterstütze radikal-hinduistische Lynchmobs über 1000 Menschenleben forderten. Noch heute stacheln Anhänger der Regierungspartei BJP den Konflikt gegen die muslimische Minderheit Indiens an. Der kritische Blick der westlichen Öffentlichkeit richtet sich gerne und zu Recht auf den Islamismus. Doch vom Hindunationalismus wissen nur die wenigsten etwas.

Auch in Südafrika ist das soziale und politische Klima rau. Neben erheblichen Korruptionsvorwürfen gegen den amtierenden Präsidenten Jacob Zuma, hat es die Regierung auch nicht geschafft die soziale und wirtschaftliche Situation der Unterschicht zu verbessern. Bei Kommunalwahlen 2016 kam es zu außergerichtlichen Tötungen und Folter durch die Polizei und trotz Fortschritten bleiben LGBT+ -Personen Opfer von Hassverbrechen. Des Weiteren kommt es gehäuft zu übermäßiger Gewalt durch Bürgerwehren und Mobs, die gezielt Asylsuchende und Geflüchtete töten.

In Indonesien wird ebenfalls Polizei- und Sicherheitskräften exzessive Gewalt, Folter und Missbrauch vorgeworfen. Religiöse Minderheiten und Atheist*innen leiden vermehrt unter Einschüchterungen und physischen Übergriffen, sowie staatlicher Repression und Diskriminierung infolge eines rigorosen Gesetzes gegen Blasphemie. Auch kennt Indonesien weiterhin die Todesstrafe, unter anderem bei Drogendelikten.
In Teilen des Landes trat 2015 ein neues islamisches Strafgesetzbuch in Kraft, welches beispielsweise für gleichgeschlechtliche Paare, uneheliche Beziehungen, Alkoholkonsum und Glücksspiele Prügelstrafen vorsieht.
In den Regionen Papua und West Papua kommt es immer wieder zu willkürlichen und rechtswidrigen Tötungen durch die Militärkräfte, welche dafür nur selten strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden und auch bei friedlichen Protesten werden Personen wahllos festgenommen.

Mit von der Partie ist ebenfalls die absolute Monarchie Saudi-Arabien, wo neben konstanten Menschenrechtsverletzungen wie fehlende Meinungsfreiheit und inexistente Frauenrechte auch nach wie vor die Todesstrafe auf Homosexualität besteht und Strafen wie Amputation, Auspeitschen und Steinigungen vollzogen werden. Außerdem ist die Scharia in der in der Verfassung des Landes verankert und der alleinige Monarch Salman ibn Abd al-Aziz hat die Möglichkeit, die Kontrolle über Legislative, Exekutive und Judikative zu übernehmen. Des Weiteren stützt Saudi-Arabien die Finanzierung und Verbreitung des islamischen Neofundamentalismus, welcher nicht zuletzt die Ideologie des islamischen Staates stark geprägt hat.

Selbst durch diesen unvollständigen Einblick sollte die Absurdität einer Versammlung klar werden, bei der die politische Elite sich primär um internationale Handelsbeziehungen sorgt und keine Spur einer Lösung für die realen Probleme unserer Welt zu erkennen ist. Merkel gibt öffentlich an Themen wie Entwicklungspolitik, Energie und Klima, sowie Korruptionsbekämpfung in den Diskurs zu bringen, während sie mit Verbrechern gegen Menschenrechte an einem Tisch sitzt und lediglich deutsche Wirtschaftsinteressen vertreten will.

Wer Mauern bauen will, wer ein halbes Land ins Gefängnis wirft, wer Städte in Schutt und Asche legt, wer Tausende im Mittelmeer ertrinken lässt, soll uns nichts von Vernunft, Ordnung und Recht erzählen!

Wir wollen nicht wegschauen! In welcher Aktionsform auch immer werden wir präsent sein um den Reibungslosen Ablauf der Ereignisse so gut es nur geht zu stören!

Pressemitteilung 26.05.17

Wir, die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen des selbstverwalteten Jugendzentrums Epplehaus e.V., haben uns in den letzten Wochen intensiv mit den sexuellen Belästigungen und Grenzüberschreitungen auseinandergesetzt, mit denen wir und unsere Gäste auf den Veranstaltungen des 12. und 13. Mai 2017 konfrontiert waren.

Wir können hinsichtlich der Ereignisse nur das Bild darstellen, das durch unseren Austausch mit der Fachschaft, den am Abend anwesenden ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen und einigen Betroffenen entstanden ist. Es handelt sich also lediglich um unsere Wahrnehmung, wir wollen in keinem Fall für alle Betroffenen sprechen.
Im späteren Verlauf beider Abende wurden Frauen* von Einzelpersonen teils penetrant angemacht, unangenehm angetanzt und angefasst oder verbal angegangen. Wir haben eine solche Situation durch die positive Erfahrung der letzten Jahre beim „paedfeschd“ und der „Queerdonism“ nicht erwartet.

Diese nicht hinnehmbaren Ereignisse können und wollen wir nicht ignorieren. Wir thematisieren sie offen und sind uns der Dringlichkeit einer umfassenden Nachbereitung bewusst. Wir haben an uns selbst den Anspruch, einen sicheren Raum für alle Menschen zu gestalten, diesem Anspruch sind wir an dieser Stelle nicht gerecht geworden. Dies bedauern wir sehr. Nun ist es an uns, allen Beteiligten wieder einen sicheren Raum bieten zu können und wir stellen uns dieser Aufgabe.
Dazu gehören die Überarbeitung unseres Schutzkonzepts, dessen Erweiterung durch eine geschulte Awareness-Gruppe und ausgiebige Selbstreflexion sowie ein konstruktiver Dialog mit der Stadt. Wir arbeiten fokussiert mit Professionellen aus den Bereichen der sozialen Frauen*- und Jugendarbeit und der Kulturwissenschaft zusammen, um Konzepte zu entwickeln, die langfristig diskriminierenden, im Speziellen sexualisierten Übergriffen präventiv entgegenwirken sollen.

Nicht unkommentiert lassen wollen wir jedoch auch die Rassifizierung der Problematik durch einen großen Teil der medialen Öffentlichkeit. Das öffentliche Interesse ist legitim und berechtigt, doch wie sich der Oberbürgermeister Boris Palmer dazu äußert, ist unverantwortlich. Durch suggestive Facebookposts bietet er einer anonymen rassistischen Masse eine Plattform, die wir für gefährlich halten. Das eigentliche Problem, das hinter den Vorfällen steht, ist Sexismus, und dieser gehört auch zur deutschen Gesamtgesellschaft, die wir aktiv zu verändern suchen.

Diese Kritik am Diskurs halten wir für notwendig, doch wollen wir nochmals betonen, dass momentan die oberste Priorität beim sensiblen Umgang mit Betroffenen und der konzentrierten Arbeit am Epplehaus als Schutzraum für alle liegt.

Pressemitteilung 19.05.17

Wir, das Epplehaus, beziehen Stellung zur bisherigen medialen Debatte über die Ereignisse vergangenen Wochenendes 12./13. Mai 2017.

Die in der Presse bisher erschienenen Äußerungen von einzelnen ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen des Hauses können nicht als offizielle Stellungnahme des Vereins Epplehaus e.V. verstanden werden, da wir die Geschehnisse nicht verharmlosen wollen.
Bei den Veranstaltungen am Freitag und Samstag kam es zu nicht hinnehmbaren Grenzüberschreitungen und sexuellen Belästigungen.

Mit diesen Problematiken sind wir schon länger konfrontiert und haben diverse Maßnahmen zum Schutz der Gäste und der Mitarbeiter*innen (Schutzpersonal, Hausverbote, Arbeitskreise) entwickelt. An diesen Abenden haben wir die Situationen zusammen mit den Mitveranstalter*innen falsch eingeschätzt und waren diesen im späteren Verlauf der Veranstaltungen nicht mehr gewachsen. Dies tut uns leid. Wir stehen hinter den Betroffenen und haben bereits Schritte eingeleitet, um zukünftig angemessen reagieren und einen sicheren Raum für Alle bieten zu können. Wir vermitteln bei Bedarf professionelle Unterstützungsmöglichkeiten.

Gemeinsam mit der Fachschaft Erziehungswissenschaft und mit Unterstützung des Netzwerks Antidiskriminierung e.V. befinden wir uns im Reflexionsprozess und im engen Austausch, um das Thema sachlich weiter zu bearbeiten. Hierbei möchten wir die Betroffenen einbeziehen und laden zum Austausch ein.

Gern treten wir auch in den Dialog mit der Stadt.

Jahresrückblick 2016

Wir haben hier ein paar Zahlen zusammengestellt, die euch veranschaulichen, was uns im letzten Jahr so umgetrieben hat.

Veranstaltungen

Insgesamt war der Veranstaltungstakt gegenüber den Vorjahren etwas niedriger, was uns aber auch erlaubt hat, uns einigen größeren Projekte, wie z.B. der neuen Homepage zuzuwenden.

Dennoch kamen wir auf 92 Musik-Veranstaltungen, im Schnitt also fast 2/Woche. Darunter waren 58 Konzerte sowie 34 Veranstaltungen elektronischer Musik. Manche davon waren Solipartys, deren Erlös (z.B. unserem Flüchtlings-AK) gespendet wurde, manche waren kleine Festivals wie das Hardcore Winterfest oder das Blastphemy Springfeast. Angeblich fand sogar ein Surf-Konzert im Uhlandbad statt.

Im elektronischen Bereich gab es einige Verschiebungen. Das alte Mono/Stereo-Konzept wurde endgültig aufgehoben und zum Teil durch neue Kooperationen mit externen Veranstaltungsgruppen (z.B. Bunte Klänge), zum Teil durch hauseigene Veranstaltungsreihen, wie die Polyphon, abgelöst.

Der durchschnittliche Eintrittspreis unserer mehr als 10.000 zahlenden Gäste lag bei 4,73€.

Außerdem fanden diverse politische Vorträge statt. Unsere Input-Reihe lag zwar zwischendurch mal auf Eis, wurde aber zu Beginn dieses Jahres wieder neu ins Leben gerufen.

Projekte

Außerhalb des Veranstaltungsbereichs liefen die meisten etablierten Projekte unbeirrt weiter: Proberaum & Bits‘n‘Bytes waren laufend ausgebucht, die Siebdruck-, Elektronik- und Holzwerkstätten arbeiten vor sich hin,der Finanz-AK zählt und rechnet, zählt und rechnet, der Flüchtlings-AK trifft sich immer noch donnerstags um 18:30 und im Plenum wird nach wie vor wöchentlich die Selbstverwaltung organisiert.

Dazu kamen 2016 die Diskussionen über Layout & Inhalt der neuen Homepage bzw. der neuen Hausfassade; die Organisation einer Demo gegen die rassistische Hetze (Stop the racist threat!); diverse politische Stellungnahmen; die Unterstützung der Zelle in Reutlingen, deren Existenz einmal mehr von der Stadtverwaltung bedroht wurde; die Teilnahme am Weihnachtsmarkt oder der Kulturnacht; die Gründung eines Arbeitskreises für mehr Barrierefreiheit im Epplehaus; Förderanträge für Veranstaltungstechnik – Installation einer neuen Lichtanlage und nicht zuletzt einige Struktur- und Orga-Debatten, deren Details wir euch hier ersparen wollen 🙂

Demo gegen Abschiebungen in Herrenberg am 13. Mai

Unter dem Titel „Für alle Geflüchteten und gegen jede Abschiebung“ ruft ein breites Bündnis von Geflüchteten, Flüchtlingsinitiativen, Unterstützer*innen und anderweitig zivilgesellschaftlich engagierten Menschen aus Herrenberg und dem Großraum Stuttgart zum Protest gegen Abschiebung und besonders gegen die aktuellen Sammelabschiebungen nach Afghanistan auf.

Beginn: 13. Mai 2017 // 13:00 Uhr
Startpunkt: Bahnhof Herrenberg

Aufruf:

Insgesamt leben derzeit knapp 250.000 Geflüchtete aus Afghanistan in Deutschland, sie sind vor Krieg und Terror in ihrem Land geflohen, und einige davon wohnen und leben in Unterkünften in Herrenberg und der Umgebung, also in unserer Nachbarschaft. Von der aktuellen Flüchtlingspolitik sind sind direkt und akut betroffen.

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Mit Herz gegen Härte! Kundgebung & Protestaktion.

Wir unterstützen den Aufruf vom Tübinger Bündnis für Bleiberecht.

15.03. // 18:30 // Holzmarkt … aus dem Aufruf:

„Mit Herz und Härte“ charakterisiert Landes-Innenminister Strobl die von ihm betriebene „humane und konsequente Flüchtlingspolitik“, über die er am 15. März in der Museumsgesellschaft Tübingen (Beginn: 20.00 Uhr) vor geschlossener Gesellschaft referieren will. Weiterlesen