Solidarität mit den linken und alternativen Projekten in Sachsen-Anhalt!

Die extrem rechte Partei AfD hat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 43,8% der Stimmen erhalten. Damit steht die AfD steht in dem Bundesland kurz vor einer Regierungsübernahme.

Die Lage in Sachsen-Anhalt ist anders als in Baden-Württemberg. Sie ist auch in Halberstadt anders als in Tübingen. Doch auch wenn die rechte Mobilisierung in Tübingen auf den ersten Blick wenig sicht- und spürbar ist, gibt es hier ebenso Akteure des Rechtsrucks wie den Kopp-Verlag mit Sitz in Rottenburg (Kreis Tübingen).

Während in Westdeutschland in vielen Regionen noch versucht wird den Rechtsruck aufzuhalten, ist in vielen ostdeutschen Regionen der Rechtsruck durchgelaufen. Es gibt nichts mehr aufzuhalten. Jetzt geht es darum demokratische Brückenköpfe und alternative Schutzräume zu erhalten.

Wir blicken mit Sorge dahin wo die rechte Bedrohung besonders groß ist.

Solidarität heißt das man da löschen hilft, wo es brennt.

Solidarität heißt auch mehr als nur Internet-Aktivismus und Soli-Botschaften.

Es heißt auch Geld sammeln. Die AfD aber auch Teile von CDU, BSW und Freie Wählern versuchen emanzipatorische Projekte gezielt auszutrocknen und kaputt zu sparen.

Deswegen kann Geld helfen linke und alternative Projekte als demokratische Brückenköpfe und Schutzräume erhalten.

Wir sollten aber ehrlich sein: Die Masse, besonders der AfD-Wähler*innen, wird dadurch in ihrer nationalistischen, rassistischen oder antifeministischen Haltung nicht beeinflusst. Ein freies Radio, ein alternatives Zentrum oder eine CSD-Orga-Gruppe sind Angebote für Minderheiten bzw. erreichen nur eine Minderheit in der Gesellschaft.

Wir möchten drei konkrete Spenden-Empfehlungen geben:

* das Zentrum „Zora“ in Halberstadt

ZORA e.V. – Soziokulturelles Zentrum Halberstadt

* den „Dachverein Reichenstraße Quedlinburg“

DV Reichenstrasse e.V.

* das „Freie Radio Corax“ in Halle

Der Förder- & Freundeskreis Radio CORAX

Allgemein sind auch Spenden an das ostdeutsche Solidaritäts-Netzwerk „Polylux“ empfehlenswert:

Polylux e.V. – solidarisches Netzwerk für den anderen Osten

Polylux ist eine Initiative zur Förderung von zivilgesellschaftlichen Strukturen, die von rechts bedroht werden. #Ostdeutschland #Solidarität

Wir werden auch selbst eine oder mehrere Soli-Veranstaltungen für Projekte in Sachsen-Anhalt organisieren.

Haltet also Ohren und Augen auf.

Eure Epple-Crew

Sommerpause bald vorbei !

Am 31.8. ist unsere Sommerpause vorbei. Wir haben den Saal frisch gestrichen und noch mehr im Haus verschönert und repariert ☺
Am Dienstag, 1.9. findet um 18.30 Uhr das erste Plenum statt und am Donnerstag, 3.9. gibt’s die erste Donnerstagskneipe. Kommt rum!

Gegen die AfD und ihren Landesparteitag am 23. November in Hechingen!

Wir, das Jugendzentrum Epplehaus, rufen dazu auf, die Proteste gegen den AfD-Landesparteitag in Hechingen am 23. November 2025 zu unterstützen.

Die AfD ist nicht irgendeine Partei, sondern eine extrem rechte Partei zu deren rechtspopulistischen Geschäftsmodell es gehört einen Nationalismus als Schein-Lösung anzubieten und Minderheiten die Schuld zu geben. Statt soziale Probleme wie Wohnungsmangel, Erwerbslosigkeit und eine Vermögens-Ungleichverteiligung anzugehen betreibt die AfD eine Sündenbock-Politik gegen Minderheiten und ihre politische Gegner*innen.

Doch die Gesellschaft muss sich grundsätzlich fragen welchen Maximen sie sich unterwirft. Profitmaximierungen und autoritäre Verschärfungen (z.B. durch die angestrebte Einführung der „Palantir“-Überwachungssoftware in Baden-Württemberg) dominieren auch ohne AfD immer stärker in der Gesellschaft.

Eine solidarischere Gesellschaft wäre hier ein Gegenmodell. Diese kann auch in kleinen Projekten erprobt werden. Wir als Epplehaus bieten als basisdemokratisch organisierter Freiraum dafür gerne die Möglichkeiten. Bei uns kann man Soli- oder Subkultur-Veranstaltungen organisieren oder sich als Gruppe treffen ohne Miete zu zahlen.

Linke, selbstverwaltete und antiautoritäre Projekte wie das Epple sind quasi der natürliche Feind der AfD. Denn wir leben jeden Tag so, dass die AfD etwas dagegen hätte und machen uns keinerlei Illusionen darüber, was mit dem Epplehaus in Falle einer AfD-Regierung passieren würde.

Deswegen rufen wir das zu auf am 23. November 2025 nach Hechingen zu fahren und gegen den Landesparteitag der AfD zu demonstrieren.

Die ersten Proteste starten ab 7 Uhr morgens auf dem Obertorplatz in Hechingen. Wir empfehlen den Zug 6.58 Uhr ab Hauptbahnhof Tübingen zu nehmen.

Außerdem erinnern wir noch einmal an unseren Text „Überzeugt Andere davon, nicht die AfD zu wählen!“ (https://www.epplehaus.de/ueberzeugt-andere-davon-nicht-die-afd-zu-waehlen/).

Eure Epple-Crew

Trouble ums Epplehouse: Für einen Problemlösung-orientierten Umgang mit gesellschaftlich marginalisierten Menschen

Wir, die Ehrenamtlichen des Epplehaus‘, möchten im folgenden Text ein Thema ansprechen, was die unmittelbare Umgebung unseres Projektes betrifft.

Um das Epplehaus herum treffen sich schon seit etlichen Jahren Personen aus gesellschaftlich marginalisierten Randgruppen (Suchtkranke, Langzeit-Erwerbslose, Wohnungslose, Geflüchtete etc.). Diese sind zumeist von Armut und Ausgrenzung in der Gesellschaft betroffen.

Die Gruppen ums Epplehaus sind in den letzten Monaten sichtbar größer geworden. Die gestiegene Anzahl von gesellschaftlich marginalisierten Personen um das Epplehaus herum dürfte unterschiedliche Gründe haben. Einer dürfte in dem Umbau des Anlagensee-Park-Ufers beim Europaplatz liegen. Dieser war de facto eine Art Gentrifizierung, der zu einer Verlagerung von Personen geführt hat, die sich ursprünglich im Sommer tagsüber am Anlagensee-Park aufgehalten haben. Ein Tagblatt-Bericht (1) benennt zudem die Verdrängung von People of Color aus dem Alten Botanischen Garten und eine Verdrängung vom Platz vor der Eberhardskirche als weitere Gründe. Der Aufenthalt hinter dem Epplehaus außerhalb der Sichtweite der Straße dürfte besonders People of Color (2) vor so genanntem Racial Profiling (3) schützen. In Teilen dürfte für alle Gruppen eine Art ‚Social Profiling‘ (4) hinzu kommen.

Mit der Zunahme an Personen nehmen wir auch eine Zunahme von Konflikten zwischen verschiedenen Einzelpersonen innerhalb dieser Gruppen wahr, die manchmal auch in Gewalt eskaliern. Es kommt dann zu Gewalttätigkeiten meist zwischen Einzelnen, vereinzelt auch zwischen Gruppen.  Alkoholkonsum und bestimmte Männlichkeitsvorstellungen wirken als Verstärker. So gut wie nie sind Außenstehende betroffen. Diese Gewalt-Eruptionen lassen uns als Epple-Ehrenamtliche oft hilflos zurück. Als Beobachter*innen solcher Eskalationen sind wir immer unschlüssig, ob bzw. ab wann wir die Polizei verständigen sollen. Vereinzelt haben wir das auch schon getan, etwa wenn akute Verletzungsgefahr bestand. Grundsätzlich sind wir keine Fans von Polizei-Interventionen und halten sie in vielen Fällen für eher ungeeignet für einen sensiblen Umgang mit gesellschaftlich marginalisierten Menschen. Auch Polizei-Razzien bzw. -Kontrollen, wie in zunehmende Maße zu beobachten, und Platzverweise sorgen für keine Lösung und verstärken eher eine Stigmatisierung in der Öffentlichkeit.  In mehreren Fällen konnten wir Fälle von mutmaßlichen Racial Profiling beobachten, von dem auch Menschen betroffen waren, die gar nicht zu den genannten Gruppen gehörten. Zum Beispiel wurde in einem Fall ein Schwarzer Vater vor den Augen seines Kindes kontrolliert und erhielt einen Platzverweis, was eine öffentliche Demütigung unter den Augen seines Kindes darstellte.  

Um es noch einmal deutlich zu sagen, wir halten nicht die Menschen um das Epplehaus an sich für das Problem, sondern sehen, dass sie oft Probleme haben, aus denen Folge-Probleme resultieren. Die Ballung von Menschen mit diversen Problemen und in Ausnahmesituationen bei gleichzeitig nicht ausreichender Straßen-Sozialarbeit betrachten wir als die Hauptursache der Zunahme von Konflikten rund um das Haus. Dabei möchten wir einzelne Personen aus den erwähnten Gruppen allerdings auch nicht aus ihrer individuellen Verantwortung für ihr Handeln entlassen, denn wir nehmen durchaus einzelne Personen als anstrengend, uneinsichtig und problematisch in ihrem Verhalten wahr.

Wir als Epplehaus wünschen uns einen konstruktiven und Problemlösung-orientierten Umgang mit diesen Menschen. Ein wichtiger Ansatz wäre eine aufsuchende Straßensozialarbeit, die Hilfe und Unterstützung leistet und eine langfristige Beziehung zu ihren Klient*innen aufbaut, sowie Folge-Angebote gewährleistet. Wir sprechen uns damit für einen sozialarbeiterischen Ansatz und gegen eine Verdrängung/Vertreibung, Kriminalisierung und Videoüberwachung aus. Uns ist klar, dass im sozialen Bereich in Tübingen gerade eher eingespart wird, doch wer im Sozialen einspart, muss später in anderen Bereichen wie Sicherheit und Gesundheit drauf zahlen! Genauso wenden wir uns gegen Racial und Social Profiling. Wenig hilfreich wäre auch eine Ethnisierung sozialer Probleme, wie sie u.a. auch der Tübinger Oberbürgermeister gerne vornimmt. Ein sinnvoller Ansatz wäre es, die betroffenen Menschen einmal selber zu befragen, welche Hilfe und Unterstützung sie benötigen. Der Wunsch nach einem eigenen, wettergeschützten Treffpunkt wäre nahe liegend. Das Gelände um das Epplehaus ist, bis auf den nahen Supermarkt und die Innenstadt-Lage, eigentlich maximal ungeeignet als Treffpunkt. Weder gibt es öffentliche Toiletten, noch Sitzbänke oder ausreichend Schatten-Plätze. Dass sich hier trotzdem viele Menschen treffen, sagt auch etwas über die fehlenden Alternativen für gesellschaftlich marginalisierte Personen aus. Alles in Allem wünschen wir uns eine konstruktive Diskussion, auch mit den Menschen selber, und als Resultat einen Problemlösung-orientierten Umgang.

(1) Obdachlose und Drogenabhängige in Tübingen: Wohin mit der Drogenszene? – In der Stadt werden Lösungen gesucht, https://www.swp.de/lokales/tuebingen/obdachlose-und-drogenabhaengige-in-tuebingen-wohin-mit-der-drogenszenenbsp-in-der-stadt-werden-loesungen-gesucht-78100390.html 
(leider scheint die Autorin keinen Versuch gemacht zu haben mit den Betroffenen selber zu sprechen) 

(2) Menschen, die die Erfahrung machen, in einer mehrheitlich Weißen Gesellschaft als nicht dazu gehörig, als „nichtdeutsch“ wahrgenommen zu werden.

(3) Mit „Racial Profiling“ wird die Methode bezeichnet, das physische Erscheinungsbild, etwa Hautfarbe oder Gesichtszüge einer Person als Entscheidungsgrundlage für polizeiliche Maßnahmen wie Personenkontrollen, Ermittlungen und Überwachungen heranzuziehen.

(4) Unter ‚Social Profiling‘ wird die Methode bezeichnet, die zugeschriebene niedrige soziale Stellung, also die Armut, einer Person als Entscheidungsgrundlage für polizeiliche Maßnahmen wie Personenkontrollen, Ermittlungen und Überwachungen heranzuziehen.

Sammelband „Wir hol’n jetzt unser Haus – über 50 Jahre Tübinger Jugendzentrum Epplehaus zwischen Hausbesetzung, Selbstverwaltung und Subkultur“

Der Sammelband „Wir hol’n jetzt unser Haus – über 50 Jahre Tübinger Jugendzentrum Epplehaus zwischen Hausbesetzung, Selbstverwaltung und Subkultur“ erscheint am 16.01.2025 bei Edition Analyse & Subkultur.

Jugendzentrum Epplehaus: ein Stück gelebte Utopie

Bereits über 50 Jahre prägt mit dem Epplehaus ein einzigartiges Jugendzentrum die Geschichte und Menschen in Tübingen. Seit seiner Besetzung 1972 ist das Haus in der Karlstraße 13 ein Raum für politische Kämpfe, kulturelle Revolutionen und generationsübergreifende Selbstverwirklichung. Jenseits des politischen Mainstreams organisieren sich Jugendliche und Junggebliebene selbst – irgendwo zwischen Krisen, Plenum, Streitereien mit der Stadt und dem Traum von einer besseren Welt.

Hausbesetzungen, Selbstverwaltung und Subkultur

Als unverzichtbares Stück Zeitgeschichte erzählt dieses Sachbuch in vier großen Themenblöcken von der Historie des Hauses und dem jeweiligen soziokulturellen Kontext. Zentrale Aspekte des Buchs sind zudem gelebte politische Ideale sowie die Musik und Subkultur, welche das Leben im Epplehaus formten. Exkurse wie zum Schwabenhaus, über die Jugendzentrumsbewegung oder ein Verzeichnis aller Tübinger Hausbesetzungen versprechen weitere interessante Einblicke.

Tiefgehende und unterhaltsame historische Aufarbeitung

Gemeinsam mit Gast-Autor*innen wie „Ton Steine Scherben“-Bassist Kai Sichtermann und vielen Zeitzeug*innen steigen Elias Raatz und Lucius Teidelbaum vom „Epplebeinturm“ herunter – jenseits von Selbstbeweihräucherung und einer „früher-war-alles-besser“-Nostalgie. Dieses Sachbuch liefert eine tiefgehende und unterhaltsame historische Aufarbeitung über das Epplehaus, einem schützenswerten Ort, dessen spannende Geschichte es wert ist, erzählt zu werden.