Tor Snowflake – Gegen staatliche Internetzensur

Staatliche Repression in der digitalen Welt ist zwischenzeitlich ein wirkungsvoller und oft angewandter Schritt um die Bevölkerung zu beeinflussen. Besonders in China und im Iran zeigt sich ein stark beschränkter Internetzugang in der Allgemeinbevölkerung und erschwert damit den Kampf gegen die jeweiligen autoritären Regime.
Ein (bestenfalls anonymer) Zugang zum Internet stellt dann ein wichtiges Hilfsmittel für Widerstand und Zugang zu propagandafreien Informationen dar.
Generell gilt: Eine Beschränkung des Internetzugangs und damit der Informationsfreiheit erfolgt so gut wie immer entgegen dem Interesse der Öffentlichkeit und im Interesse des Staates. Wir leisten daher einen Beitrag zu einem zugänglichen und anonymen Internet.


Falls auch ihr helfen möchtet ist dies sehr einfach möglich. Aktiviert unten den TOR-snowflake proxy und lasst dieses Browser-Fenster geöffnet.
Weitere Informationen zur Funktion erhaltet ihr unter „Mehr erfahren“ beim TOR-Projekt.

Langfristig findet ihr TOR-snowflake hier: Tor Snowflake

Keine Nächstenliebe für die TOS!

Bis 2010 war TOS die Abkürzung für „Tübinger Offensive Stadtmission“, seitdem fungiert das Kürzel als Eigenname. Bei der TOS handelt es sich um eine evangelikale Freikirche neupfingstlerisch-charismatischer Ausrichtung.
Zentrale Bezugspersonen sind das Pastoren-Ehepaar Jobst und Charlotte Bittner.
Tübingen ist Gründungsort und weiterhin Zentrale der TOS. Hier soll die TOS über 350 Gemeindemitglieder verfügen, weitere hunderte Nicht-Mitglieder besuchen ihre Gottesdienste.
Seit Gründung der TOS 1990 hat sich die TOS in Tübingen gut verankert. Hier verfügt sie über Immobilien-Besitz und hat diverse Unter-Organisationen, z.B. eine eigene Hochschulgruppe, einen Verlag, eine Pfadfindergruppe, Bands und mehrere Vereine.
Erscheint die TOS auf den ersten Blick freundlich und sozial engagiert, so handelt es sich bei genaueren Betrachtung um eine homofeindliche und in sekten-ähnliche Gruppierung.
Orientiert wird sich an einer engen, theologisch-konservativen Interpretation der Bibel als dem ‚unfehlbaren‘ Wort Gottes. Zitat von der TOS-Homepage: „Grundlage allen Denkens und Handelns in der Gemeinde ist die Bibel.“

Aus emanzipatorischer Perspektive ergeben sich folgende konkrete Kritikpunkte an der TOS.

  1. christlicher Nationalismus
    Die TOS vertritt einen christlich geprägten Nationalismus („Deutschland braucht Jesus“, „Deutschland braucht kontinuierliches TAG UND NACHT GEBET“), der sich zum Beispiel in der „Gebetskonferenz für Deutschland“ im September 2021 äußerte.
  2. christliche Homofeindlichkeit
    In der NDR-Dokumentation „Mission unter falscher Flagge“ von 2014 heißt es: „Eine charismatische Gemeinde ist die TOS Gemeinde Tübingen. Wer hier Mitglied sein will, soll vorher eine sogenannte Lebensbeichte ablegen. Anhand einer mehrseitigen Liste kann man potenzielle Sünden identifizieren. Dazu zählen Geisteskrankheiten, die Tatsache, dass man seine Eltern als Kind nackt gesehen hat oder auch Homosexualität und homosexuelle Gedanken. Jobst Bittner, Gemeindeleiter der TOS wiegelt ab, es gehe weniger um die einzelnen Dinge bei der Lebensbeichte, sondern darum, „dass ich mich von Gott abwende“. Die Lebensbeichte solle eher „wie ein Spiegel“ sein, durch den man sich Gott wieder zuwenden könne, so Bittner.
    Die TOS Gemeinde Tübingen veranstaltet immer wieder sogenannte Heilungsgottesdienste oder Heilungskonferenzen. Bei einer dieser Veranstaltungen Anfang des Jahres war auch der Arzt Dr. Arne Elsen aus Hamburg – eigentlich Diabetologe – anwesend, der auf die Frage eines homosexuellen „Panorama“-Reporters, ob er ihn von seiner Homosexualität heilen könne, antworte: „Logisch“.
    […] „Die Bibel lehnt Homosexualität als Lebensstil ab,“ sagt Jobst Bittner, Gemeindeleiter der TOS.“
  3. religiöser Philosemitismus
    Die TOS veranstaltet seit 2007 so genannte „Märsche des Lebens“ für Shoah-Überlebende. Was sich anhört wie eine sinnvolle Aktion, wird aus einem sehr schrägen Geschichtsverständnis abgeleitet. Zum einen geht es um das evangelikale Verständnis von Jüdinnen als dem „auserwählten Volk Gottes“, zum anderen wird die Shoah als religiöse „Vorfahrenschuld“ der nichtjüdischen Deutschen verstanden. Davon gilt es sich zu befreien („Jesus vergibt dir den Holocaust“), was in Form eines Exorzismus der NS-Geschichte versucht wird.
    Mit einer rationalen Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte hat das nichts zu tun, zumal andere NS-Opfergruppen ignoriert werden.
    Es ist auch zu fragen, wie weit die Judenliebe der TOS geht, wenn Jüd
    innen nicht Jesus als ihren Messias anerkennen. So ist der Partner der TOS in Israel das „Jerusalem Institute of Justice“ (JIJ) in Tel Aviv, dessen einziger Vertreter ein messianischer Jude ist.
  4. Wunderheilung
    Die TOS bietet verzweifelten Menschen vermeintliche Wunderheilungen über so genannte Healingrooms an. Die Teilnahmegebühr an diesen betrug 2017 150 Euro. Außerdem lädt sie Heiler von außerhalb ein. Über einen Auftritt des Heilers Charles Ndifon für die TOS hieß es 2017: „Er machte von der Bühne aus nur noch die Feststellung, welche Krankheiten in welcher Ecke des Zeltes gerade geheilt würden. Danach forderte er diejenigen, die sich gemeint fühlten, auf, nach vorne zu kommen.
    Vorne an der Bühne wurden von Helfern diejenigen aussortiert und zurückgeschickt, die eindeutig schwere Krankheiten hatten, z.B. im Rollstuhl saßen. Auf der Bühne demonstrierte er dann die erfolgten Heilungen; wenn seine Demonstrationen nicht gelangen, verspottete er die Kranken, die angeblich nur simulierten.“
    (Annette Kick: Gesundheit als „Christenpflicht“! Heilungsbewegungen kritisch hinterfragt über eine Wunderheilung bei der TOS, 2017)
  5. sekten-artiges Wesen und Ausbeutung
    Ein ehemaliges TOS-Mitglied berichtet von einem stark autoritären System: „Die Leiter der Gemeinde, Jobst Bittner und seine Frau, hätten sich selbst als »Gesalbte des Herren« bezeichnet, die direkt von Gott Weisungen empfingen. Christiane Schmidt erzählt, sie habe keine eigene Meinung vertreten dürfen. Während einer »seelsorgerischen Betreuung« sei sie gezwungen worden »auf den Knien« Buße zu tun. Außerdem hätten die Gemeindeleiter bestimmt, wer mit wem Kontakt halten dürfe. Der Umgang mit Personen, außerhalb der TOS – auch mit Familienmitgliedern – sei unterbunden worden.“
    (Oda Lambrecht und Christian Baars: Mission Gottesreich. Fundamentalistische Christen in Deutschland, Berlin 2009, Seite 34)
    Ein enges Korsett von Vorschriften regelt das Leben der TOS-Mitglieder: „Die Vorschriften beträfen nicht nur das Gemeinde-, sondern auch das Privatleben der Gläubigen. Ehemalige Mitglieder erzählen, dass die Leiter der TOS absoluten Gehorsam gefordert hätten. Auch Kritik und Widerspruch gälten als Sünde. Außerdem würden die Leiter großen Einsatz von ihren Mitgliedern verlangen und sie immer wieder auffordern, viel Geld zu spenden. Die Weltanschauungsbeauftragte der evangelischen Landeskirche Württemberg, Annette Kick beobachtet die Gemeinschaft seit vielen Jahren und hat mit zahlreichen ehemaligen Mitgliedern gesprochen. Sie hat den Eindruck, dass das Selbstwertgefühl vieler Mitglieder »Stück für Stück gebrochen« werde.“
    (Oda Lambrecht und Christian Baars: Mission Gottesreich. Fundamentalistische Christen in Deutschland, Berlin 2009, Seite 32-33)
  6. Dämonen-Glauben und Exorzismus
    Jobst Bittner predigt die Existenz von Teufel und Dämonen in der Welt und auf angeblich besessene Mitglieder wird psychischer Druck ausgeübt: „Der Tübinger Psychologe Axel Schubert sagt, ein ehemaliges Mitglied habe ihm berichtet, dass angeblich besessene Personen über Stunden angeschrien worden sein. Zwei oder drei TOS-Mitarbeiter hätten sich dabei abgewechselt und – wie sie es darstellen – auf den Dämon eingewirkt, um ihn auszutreiben.“
    (Oda Lambrecht und Christian Baars: Mission Gottesreich. Fundamentalistische Christen in Deutschland, Berlin 2009, Seite 25)

Fazit: Keine Akzeptanz von Intoleranz
Die TOS wird ihren Platz auf dem Stadtfest benutzen, um zu missionieren. Als säkular bis atheistisch eingestellte Menschen finden wir vom Epplehaus es unerträglich einer Gruppe wie der TOS auf dem Stadtfest einen Platz bekommt.
Religionsfreiheit bedeutet keine Freiheit vor Religions-Kritik und ganz bestimmt keinen Freifahrtschein für Homofeindlichkeit!

50 Jahre Epplehaus: Happy Besetzungsday!

Das Epplehaus wird am 22. Juni 2022 ein halbes Jahrhundert alt. Ob die Menschen, die in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni 1972 das Gebäude in der Karlsstraße 13 besetzten, sich vorstellen konnten, dass ihre Besetzung 50 Jahre lang hält?
Vielleicht schon, in Tübingen wurde immerhin Ernst Blochs „Prinzip Hoffnung“ geboren.
Seit der Besetzung des leer stehenden Gebäudes nach einem Konzert von „Ton Steine Scherben“ ist viel Wasser den Neckar runter geflossen. Generationen wurden im Epplehaus erwachsen und sind ihm wieder entwachsen. Viele Epplis haben Tübingen verlassen, aber einige trugen weiter einen Funken vom Epplehaus-Spirit in sich.
Hunderte, vermutlich tausende, vor allem junger Menschen, sind durch die praktische Schule der Basisdemokratie und der Selbstorganisation gegangen.
Hunderttausende waren auf Partys und Konzerten zu Gast. Es wurde getanzt, gefeiert, getrunken und geredet. Paare fanden sich, Paare trennten sich. Freundschaften entstanden und wuchsen.
Für viele Aktive war das Epplehaus auch der notwendige Rückzugsraum vor Alltagsstress, Problemen mit den Eltern und ein Treffpunkt mit Freundinnen. Das Epple bot Raum, vor allem Freiraum. Zum organisieren, lernen, treffen, veranstalten und Musik machen. Als relativ unkommerzieller Veranstaltungsraum war das Epplehaus ein Experimentierfeld für Musik-Richtungen abseits des Mainstreams wie Punkrock, Reggae, Metal oder Dubstep.
Für einige DJs und Live-Musikerinnen wurde das Epple ein Sprungbrett zum Erfolg. Der damalige Sozialarbeiter Hartmut Litzbarski merkte im März 2000 an: „Die Hälfte unserer regelmäßigen DJs geht jetzt nach Hamburg, die andere nach Berlin.“
Das „Schwäbisches Tagblatt“ nannte 2004 das Epplehaus anerkennend ein „Zentrum der Jugendkulturförderung, Mekka verschiedener Szene-Gruppen, Schmiede zahlreicher Musiker“.
In einem Artikel am 17. Mai 2005 im „Schwäbisches Tagblatt“ hieß es sogar einmal: „Nach dem Konzert wurde im Epplehaus weitergefeiert, dessen Macher längst das Bundesverdienstkreuz hätten, wenn Punk als wohltätig gälte.“
Vermutlich würde so etwas wie das Bundesverdienstkreuz aber von den Epple-Aktiven abgelehnt werden. Denn das Haus hat sich vielleicht äußerlich gewandelt, die Besetzung hat immer wieder gewechselt – und doch ist das Haus unbequem geblieben!

Wir feiern am 24. und 25. Juni 2022 den 50. Jahrestag der Epple-Besetzung.
Informationen zum Programm findet ihr hier: Epplehaus Jubiläums – Openair

Wir suchen noch helfende Hände für das Jubiläum. Falls ihr Interesse habt schaut hier vorbei: Schichtplan 50-Jahre

Auf die nächsten 50 Jahre!

Definitionsmacht und ihre Notwendigkeit

Aus gegebenen Anlass, finden wir es wichtig zu dem Konzept der Definitionsmacht Stellung zu beziehen. Es wurde im Zuge der zweiten Frauenbewegung in den 70er Jahren entwickelt um sich gegen die gegen Frauen gerichtete Gewalt zu wehr zu setzen.

Patriarchale Verhältnisse prägen die Lebensbedingungen und den Alltag von FLINTA* Personen.
Die Definition darüber was als Gewalt angesehen wird, liegt meistens in den Händen männlicher Definierender und ist normiert durch rechtliche Definitionen, die auf einer patriarchal geprägten Gesetzgebung basieren. Die cis-männliche Definition von Grenzen wird dabei als Normal angenommen. Bis in die 90er war Vergewaltigung in der Ehe keine Straftat und bis vor kurzem galt noch, dass Betroffene sich körperlich wehren mussten, damit man rechtlich von einer Vergewaltigung sprechen konnte. Auch der retraumatisierende juristische Prozess zeigt, dass der Schutz von Betroffenen niedrige Priorität für Judikative und Exekutive hat.

Definitionsmacht bedeutet, dass die von Gewalt oder Diskriminierung betroffene Person selbst definiert, welche Form der (sexualisierten) Gewalt oder Diskriminierung sie erlebt hat und dabei die Begriffe wählt, die für Sie das Geschehene am besten beschreiben. Das heißt aber nicht automatisch, dass sie das muss. Allerdings ist das Finden von Worten für das Geschehene oft grundlegend für die (eigene) Aufarbeitung. Es kann helfen, es anderen zu kommunizieren, um sich dessen überhaupt bewusst zu werden und es aufarbeiten zu können. Die von der betroffenen Person gewählte Definition wird dabei als gegeben hingenommen und nicht in Frage gestellt.

Zentral für die Definition von Gewalt ist das persönliche Empfinden einer Grenzüberschreitung.
Gewalt wird aufgrund von Erfahrungen unterschiedlich erlebt und entsprechend unterschiedlich eingeordnet und bewertet. Manchmal brauchen Betroffene Zeit und Unterstützung, um benennen zu können, was ihnen widerfahren ist. Manchmal verändern sich auch die Begriffe, die von den Betroffenen verwendet werden über die Dauer des Aufarbeitungsprozesses. Auch spielt Angst eine große Rolle dabei, denn Betroffene die öffentlich aussprechen was ihnen passiert ist, werden öffentlich angefeindet, ausgegrenzt, bedroht und sanktioniert.

Es geht bei der Definitionsmacht nicht darum, den Übergriff auf einer vermeintlich und angeblich objektiven Skala der schwere der Gewalt einzuordnen, so wie dies im juristischen Kontext geschieht.
Es geht auch nicht darum, die gewaltausübende Person zu bestrafen, sondern um eine Ermächtigung und einen Schutz der betroffenen Person. Denn in dem Moment, in dem Betroffene Gewalt erfahren, wird ihre Selbstbestimmung verletzt. Durch die parteiliche Unterstützung der betroffenen Person soll ihre Selbstbestimmung, Handlungsfähigkeit und eigene Wahrnehmung gestärkt werden.

Das Konzept der Definitionsmacht stellt somit eine bewusste Abgrenzung zum bürgerlichen Rechtssystem dar, in dem sich die betroffene Person, aufgrund der Unschuldsvermutung in einer strukturell schwächeren Position befindet. Die Forderung nach einer objektiven Klärung, scheint zwar nachvollziehbar, ist aber in Fällen von sexualisierter Gewalt äußerst kritisch zu betrachten. Sexualisierte Übergriffe finden häufig in intimen Situationen statt, in denen es keine weiteren Zeug*innen gibt. Zu beweisen das ein Übergriff statt gefunden hat, kann deshalb sehr schwer für die betroffene Person sein. Die stundenlange Befragungen in denen gefordert wird, dass die Betroffene den Vorgang detailliert schildert, können eine große Belastung nach einem erlebten Übergriff sein und zu Flashbacks führen. Dazu kommt noch das die „gegnerische Seite“ häufig versucht die Betroffene mit herabwürdigenden Stereotypen zu belegen und als Unglaubwürdig darzustellen.

Wir finden den aktuellen Diskurs, wie er in einigen Teilen der linken Szene Tübingens im Moment stattfindet schockierend. Die Infragestellung der Definitionsmacht sehen wir als problematisch und grenzverletzend an.

Von Kritiker*innen der Defma wird oft behauptet, dass betroffene Personen, die von ihnen genannten Vorfälle nur aus purer Boshaftigkeit oder Eigennutz erfinden würden, um die eines Übergriffs beschuldigten Personen zu schaden, sie zu diffamieren und aus Gruppen zu verdrängen.

Unserer Wahrnehmung nach, erfahren aber nicht sich übergriffig verhaltende Personen, sondern diejenigen, die Betroffene selbiger sind in den meisten Fällen solche soziale Isolierung.
Auch wenn sich betroffene Personen einen transformativen Prozess wünschen, um gewaltausübenden Personen eine Chance zu geben, sich mit ihrem übergriffigem Verhalten auseinanderzusetzen, haben sie, wie in Tübingen gerade zu spüren ist, mit heftigem Widerstand zu rechnen. Und das nicht nur von den gewaltausübenden Personen selbst, sondern auch deren Umfeld. Darin sehen wir eine Abwehrstrategie um sich nicht innerhalb des eigenen Umfelds mit dem übergriffigen Verhalten auseinanderzusetzen zu müssen. Wir stellen aber leider auch fest, dass soziale Bindungen und bürgerliche Familienbegriffe vielen „Linken“ wichtiger sind als eine antisexistische Politik.

Das Ansprechen und öffentlich machen von Übergriffgen führt in den meisten Fällen leider keinesfalls dazu, dass Wünsche und Bedürfnisse der Betroffenen anerkannt und umgesetzt werden. Im Gegenteil, der aktuelle Fall zeigt ganz deutlich, wie die Realität aussieht, mit der viele Betroffene nach der Öffentlichmachung eines Übergriffes konfrontiert sind:
Ausschluss aus den gewohnten Strukturen, Rechtfertigungsdruck, Diffamierung und Demütigung in der Öffentlichkeit.

Dadurch entsteht eine Reproduktion der Ohnmacht, die Betroffene in der Situation eines Übergriffs erleben. Diese lösen zurecht Wut und Verzweiflung bei den Betroffenen und deren Unterstützer*innen aus. Es kann Betroffene zudem erneut traumatisieren.

Wir müssen uns klarmachen, dass es häufig eine Menge Druck braucht, damit Personen ihre Komfortzone verlassen und sich der gewaltvollen Realität stellen, die sie verursacht haben oder weiterhin verursachen.
Täterschutz und Täterumgang sind nicht identisch. Täterumgang erfordert allerdings einiges, wie bspw. die Anerkennung der Definition der Betroffenen und einen kritischen Umgang mit den Abwehrmechanismen der gewaltausübenden Person und auch eine eigene Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt und den Dynamiken, die dabei entstehen können.
Es geht eben nicht darum, die gewaltausübenden Personen aus ihrem Umfeld zu reißen oder für immer zu verbannen, sondern um einen reflektierten und kritischen Umgang. Es geht darum den Betroffenen etwas sicherere Räume zu ermöglichen. Wir müssen uns bewusst sein, dass Zugang zu linken Projekten für sexuell übergriffige Personen, direkt auch den Ausschluss von Betroffenen und Gefährdeten bedeutet.

Sicherlich hat das Konzept der Definitionsmacht auch seine Grenzen und Schwierigkeiten, trotzdem ist es bist heute das Konzept, welches reale gesellschaftliche Macht- und Unterdrückungsmechanismen mitdenkt und in den Prozess miteinbezieht. Wir möchten hierbei auch noch darauf verweisen, dass die in Tübingen geübte Kritik an der Definitionsmacht, theoretisch und praktisch platt ist und sich offensichtlich kaum mit den Begrifflichkeiten auseinandergesetzt hat. Ein großer Teil der Kritik an Definitionsmacht bezieht sich auf Sanktionen und Handlungsvorgaben: Definitionsmacht, Sanktionsmacht und Handlungsmacht werden dabei in einen Topf geworfen, je nachdem wie dies gerade argumentativ passt. Neuere Konzepte wie Transformative Justice werden dabei öffentlich eingefordert und als konträr zu Definitionsmacht verkauft, dabei bilden Definitionsmacht und kollektive Verantwortungsübernahme (community accountability) die theoretische und praktische Grundlage sämtlicher hierfür vorhandenen Texte und dazu arbeitenden Gruppen.

Die meisten sexualisierten Übergriffe werden nicht öffentlich gemacht, da Betroffene sich der darauf folgenden Prozedur nicht gewachsen fühlen.
Unser Ziel sollte es sein, Betroffene von sexualisierter Gewalt zu ermutigen, das, was sie erleben mussten, ansprechen zu können, sich zu wehr zu setzen und sich Hilfe zu holen. Die aktuelle Situation empfinden wir jedoch als höchst abschreckend für andere betroffene Personen. In einigen „linken“ Zusammenhängen und Projekten werden sie sich, aufgrund des Geschehenen niemals äußern können, sondern haben keine andere Wahl als diese zu verlassen.

Wir möchten keine linke Szene, die Betroffene ausschließt und mit Sanktionen überzieht, sondern eine Szene in welcher sich von Gewalt, Diskriminierung und Marginalisierung Betroffen einigermaßen sicher fühlen können und die gemeinsam mit und bei gewaltausübenden Personen Verhaltens- und Einstellungsänderungen erarbeitet.

Bundesfreiwilligendienst im Epplehaus

Das Jugendzentrum Epplehaus in Tübingen bietet ab dem 01.09.2021 eine Stelle im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes. Wir suchen für ein Jahr eine_n einsatzfreudige Bewerber_in ab 18 Jahren.
Der Besitz eines Führerscheins, generelle handwerkliche Vorkenntnisse auch im Bereich der Veranstaltungstechnik und grundlegende PC-Kenntnisse sind von Vorteil, aber nicht zwingend erforderlich.
 
Wir bieten:
Einen abwechslungsreichen Arbeitsplatz mit viel Eigenverantwortung, die Möglichkeit zum Erwerb von Kompetenzen in den Bereichen: Büroarbeiten, Homepagebetreuung, Grafikbearbeitung, handwerkliche Tätigkeiten, hausmeisterliche Tätigkeiten, Veranstaltungsbetrieb (sofern dieser stattfinden kann)…
Teilbereiche des Aufgabenfelds können an die individuellen Fähigkeiten der/des Bewerber_in angepasst werden.
 
Wir freuen uns auf deine Bewerbung!
E-mail an: team@epplehaus.de

Spendenaufruf für Rack-Server

Wir, das Epplehaus, suchen gegen Spende oder möglichst günstig zwei bestenfalls baugleiche Rack-Server für 19‘‘-Racks.

Folgende Mindestanforderungen wären für unsere Zwecke hilfreich:

SSD je 2 Steckplätze
HDD-Speicher: ≥ 4 Steckplätze
RAM: 32GB besser ≥ 64GB
CPU mit ≥ 10 Kernen
Dual PSU

Wobei wir einzelne Bauteile, insbesondere Hauptspeicher, auch selbst anschaffen können. Wir sind auch an NAS-Systemen oder Storage-Enclosures interessiert.

Momentan betreiben wir einen Großteil unserer IT auf einem eigenen Server in unserem Haus. Dies machen wir um uns unabhängig von Drittanbietern zu halten, ein Maximum an Datenschutz gewährleisten zu können und Änderungen zeitnah selbst vornehmen zu können. Momentan betreiben wir z.B. ein Forum, eine Cloud und ein frei zugängliches WLAN.

Leider ist unser alter Server inzwischen an seiner Kapazitätsgrenze angelangt und wir möchten langfristig unser Angebot an Mitarbeitende sowie Außenstehende erweitern, z.B. durch einen Mail-Server oder Videochat-Server. Besonders in den jetzigen Zeiten ist durch die Kontaktbeschränkungen die digitale Kommunikation besonders gefragt.

Falls ihr etwas wisst oder jemanden kennt, der uns aushelfen könnte, meldet euch doch unter admin@epplehaus.de.

Vielen Dank für Eure Hilfe!

Das Jugendzentrum Epplehaus e.V.

8. März ist alle Tage

Aufruf des queer-feministischen Bündnis zum 8.März

Hallo zusammen!
Letztes Jahr haben wir am Vorabend des 8. März (Internationaler Frauen- und Queerskampftag) eine große Nachttanzdemonstration organisiert, die ein voller Erfolg war. Dieses Jahr gehen wir wieder auf die Straße, denn Corona hat für viele Frauen und Queers die Situation nur zugespitzt.
Trotzdem wird es dieses Jahr dezentraler, aber umso lauter.

1) Am Sonntag (7.3.) laden wir euch zu einem Queerfeministischen Stadtspaziergang ein.
Entlang der Steinlach, am Sternplatz, am Epplehaus und bis zur Neckarbrücke gibt es
Infostände, Mitmachaktionen, Musik und Streetart. Geht mit eurer kleinen Bezugsgruppe zwischen 16 und 18 Uhrauf einen Sonntagsspaziergang. Wer nicht raus will, kann daheim am Computer die Streams auf twitch verfolgen.

2) Am Montag (8.3.) gibt es im Anschluss an das Holzmarktspektakel vom Frauen-Netzwerk Tübingen um 18 Uhr eine Demo. Treffpunkt ist der Marktplatz. Seid laut und bunt und kämpferisch. Wer mag ist eingeladen zu glitzern! Für eine Rollischiebeassistenz wird gesorgt sein.

Wir bitten euch bei beiden Veranstaltungen stets die
Corona-Abstandsregeln einzuhalten und Maske zu tragen. Danke!

POLISH WOMEN ON STRIKE *** ABOUT:UTOPIA *** WOMEN DEFEND ROJAVA
*** TANTE HUBER *** LU 15 *** CATCALLS OF TUEBINGEN *** AMNESTY
INTERNATIONAL *** QUEER FEMINIST TUEBINGEN *** EPPLEHAUS ***
INTERVENTIONISTISCHE LINKE *** FRAUEN*GRUPPE ZUMUTUNG

Im Detail erwartet euch am Sonntag:
– Sternplatz: Action der LU15
– Huberstraße: „AdventureCaret“ – Politik und Kunst über Carearbeit, Corona, Visionen und Vulvas @ Tante Huber
– Musik live stream (als After Show von 19 bis 21 Uhr): „Aufstand
aus der Küche“ – Küchen Talk mit weiblichen* DJ Artists und Küchenmusik live Streaming von Tante Huber https://youtu.be/ds9Gzun8L78
– Epplehaus: Video Musikstream auf twitch (15-19 Uhr)
https://m.twitch.tv/epplehaustuebingen/profile
– Karlstraße: „Platz für Sorge“ Mitmachaktion vor dem Epplehaus von der
Interventionistischen Linken und der Frauen*gruppe Zumutung
– Infotisch von Women Defend Rojava
– Streetart und Kreide in der ganzen Stadt

~~~~English version~~~~

Hello everyone!
Last year we organized a big night dance demonstration on the eve of March 8 (International Women and Queer Fight Day), which was a great success. This year we will go on the streets again, because the crisis made the situation of women* and Queers not better. It will be more decentral but even louder than last year. So we still have two nice events planned:

1) On Sunday (7.3.) we invite you to a Queerfeminist City Walk. Along the Steinlach, at the Sternplatz, at Epplehaus and on the Neckarbrücke there will be information desks, partici-patory actions, music and streetart. Go on a Sunday walk with your small groupn between 4 and 6 pm. If you don’t want to go out, you can follow the streams on twitch at home on your computer.

2) On Monday (8.3.) there will be a demo at 6pm after the Holzmarktspektakel by Frauen-Netzwerk Tübingen. Starting point is the market place. Be loud and colorful and combative. We want the demo to be sparkling so if you want to you canwear glitter clothes and make-up. Wheelchair assistance will be provided.

We ask you to always follow the Corona distance rules and wear a mask at both events.
Thank you!

Attached are sharepics, feel free to share diligently.
POLISH WOMEN ON STRIKE *** ABOUT:UTOPIA *** WOMEN DEFEND ROJAVA
*** TANTE HUBER *** LU 15 *** CATCALLS OF TUEBINGEN *** AMNESTY INTERNATIONAL *** QUEER FEMINIST TUEBINGEN *** EPPLEHAUS ***
INTERVENTIONISTISCHE LINKE *** FRAUEN*GRUPPE ZUMUTUNG

In detail you can expect on Sunday:
– Sternplatz: Action of the LU15
– Huberstraße: "AdventureCare" – politics and art about care,
corona, visions and vulvas @ Tante Huber
– Music live stream (as after show from 7 – 9 pm): „Aufstand aus der Küche“ kitchen talk with female* DJ artists and kitchen music live streaming from Tante Huber
https://youtu.be/ds9Gzun8L78
– Epplehaus: Video music stream on twitch (3-7 pm):
https://m.twitch.tv/epplehaustuebingen/profile
– Karlstraße: „Platz für Sorge“  participatory action in front of Epplehaus by Interventionistische Linke and Frauen*Gruppe Zumutung.
– Info desk by Women Defend Rojava
– Streetart and chalk all over the city

Feindbild Epplehaus – rechte Angriffe und Anfeindungen gegen ein linkes Jugendhaus

Das Epplehaus ist durch seine Transparente und Graffiti an der Außenwand von außen weithin erkennbar als linkes Projekt. Es wird deswegen und wegen seiner antidiskriminierenden Grundhaltungen, sowie als Ort von linken Veranstaltungen (z.B. Vorträgen) von vielen allgemein als Adresse der außerparlamentarischen Linken wahrgenommen. Speziell wird es darüber hinaus auch als Adresse von „der Antifa“ in Tübingen bzw. der ganzen Region gesehen.
In der Folge war das Epplehaus in seiner Geschichte immer wieder auf verschiedenen Ebenen Angriffen und Anfeindungen von Rechten und reaktionären ausgesetzt. Das ging von empörten Leserbriefen und Beschwerden konservativer BürgerInnen aus Tübingen bis hin zu handfesten Drohungen und Sachbeschädigungen am Gebäude.
Generell gilt Tübingen spätestens seit den 1970er Jahren als linksliberale Universitätsstadt. Das ist sicherlich richtig. Nichtsdestotrotz gibt es auch in Tübingen (extreme) Rechte und NationalistInnen.

Es handelt sich bei dieser Dokumentation nur um einen Auszug, der ab dem Jahr 2006 vorgekommenen Anfeindungen gegen das Epplehaus.

Probleme mit Deutschland und seinen Fans
In den Jahren ab 2006 kam es zu Männer-Fußball-Weltmeisterschaften und -Europameisterschaften regelmäßig zu nationalistischen Hitzewallungen in Teilen der Bevölkerung. Mit Deutschlandfahnen ausgerüstet wurde gemäß nationalistischer Logik die „eigene“ Mannschaft unterstützt. Es war, wie sich oft zeigte, nicht einfach ein neuer und harmloser ‚Patriotismus‘. Wer Kritik übte, setzte sich ins Aus und ‚harmlose‘ Fußballfans mutierten schnell zu aggressiven Mobs.
Da im Epple mehrheitlich eine antinationale Grundhaltung vorherrschte, wurde Kritik am Deutschland-Taumel immer wieder durch Transparente, Musik und manchmal auch durch Rufe geübt.
Das Epplehaus war hier sicher immer ein Stachel im national-trunkenen Tübingen und deswegen immer wieder Ziel von Anfeindungen und Angriffen.

In der Nacht vom 28. auf den 29. Juni 2018 wurde ein Mann in Deutschland-Trikot beobachtet, wie er die Glasscheibe des Haupteingangs des linksalternativen Epplehaus in Tübingen beschädigte. An dem besagten Haus befand sich ein nationalismuskritisches Transparent.
Es entstand ein Schaden von mehreren hundert Euro.

Prinzip Provokation
Unter Rechten und Reaktionären scheint es manchmal eine Art Mutprobe zu sein, sich vor dem Epplehaus fotografieren zu lassen oder auf eine Veranstaltung im Inneren zu gelangen.
Verbindungsstudenten, Identitäre oder AfD-AktivistInnen versuchten es immer wieder. Manchmal werden aus Gründen der Provokation auch Aufkleber oder Plakate am Gebäude angebracht oder es werden im Inneren oder an den Hauswänden rechte Schmierereien hinterlassen.

Im Juli 2016 hinterließ ein/e Unbekannte/r im Vorraum des Epplehaus, der für gewöhnlich abgeschlossen ist, mit Filzstift die Parole „Rotfront verrecke! Nie wieder Kommunismus!“.

Ende und Mitte September 2016 tauchten mit schwarzem Filzstift gezeichnete rechte Symbole („Wolfsangel“) und Codes („18“) am und um das Epplehaus auf. Die Chiffre „18“ steht in der rechten Szene für den 1. und den 8. Buchstaben im Alphabet, also auf A und H und bezieht sich damit auf Adolf Hitler.

Am 8. Juni 2017 beschmierte eine Einzelperson während einem Hardcore-Punk-Konzert auf Spendenbasis das Männer-Klo mit der Parole „Heil Hitler“ (2x) und „Ihr Epple Fotzen“.

Anfang Juli 2017 wurde entdeckt, dass rund um das Tübinger Epplehaus erneut rechte Symbole (Wolfsangel) und Parolen („Donnergott 88“ und „III. Weg“) mit Filzstift gemalt und in einem Fall sogar gesprüht worden.

Am 6. Oktober 2017 versuchte Dubravko Mandic (AfD) aus Freiburg zusammen mit Jonathan Rudolph, Leiter der kleinen Ortsgruppe der extrem rechten „Identitären Bewegung“ in Tübingen, ins Epplehaus zu gelangen. Das erwartbare Ergebnis, nämlich den Rauswurf, nachdem Mandic zuvor versehentlich rein gelassen wurde, beklagte sich Mandic in einem offenen Brief an Boris Palmer. Mandic benutzt den von ihm selbst fabrizierten Eklat, um das Epplehaus beim Oberbürgermeister Boris Palmer zu verpetzen:
„Ich frage Sie: wie kann es sein, dass in einem städtisch finanzierten Kulturzentrum, an der Tür offensichtlich eine politische Selektion der Gäste vorgenommen wird? Wie stehen Sie als Bürgermeister dazu? […] Wie wird dieses linke Zentrum finanziert? In welchem Verhältnis steht die Stadt Tübingen zu diesem „selbstverwalteten“ Zentrum?“

Am Morgen des 9. Februar 2019 fand sich auch an der Außenseite des Epplehaus in Tübingen mehrere mit Klebestreifen angebrachte A5-Flyer mit der Aufschrift „Lebst Du wirklich in einem sicheren Land?“der extrem rechten „Identitären Bewegung“.

Wut-Blitzableiter
Als Adresse von außerparlamentarischen Linken und „der Antifa“ fungierte das Epplehaus bereits mehrfach als eine Art ‚Wut-Blitzableiter‘.

Am 21. Juli 2007 führten die „Jungen Nationaldemokraten“ von der NPD in Tübingen ab 12 Uhr eine Demonstration gegen „linke Gewalt“ (Motto: „Keine Freiräume für linksextreme Gewalttäter – Nationale Zentren erkämpfen“), besonders gegen das Epplehaus, durch.
Gegen Mittag standen 10.000 Bürger*innen und Linke etwa 250 Neonazis gegenüber. Die Neonazis wurden an diesem Tag erfolgreich blockiert.

Am 20. April 2016, dem Geburtstag Hitlers, schickte die neonazistische Kleinstpartei „Der III. Weg“ aus Göppingen eine Postkarte an das Tübinger Jugendhaus Epple, u.a. mit der Aufforderung Deutschland zu verlassen.

Im Zuge einer Diskussion um sexualisierte Übergriffe auf zwei Partys im Epplehaus – auch durch männliche Geflüchtete – am 12. und am 13. Mai 2017, kam es zu rassistisch aufgeladenen Diskussionen und einen kleineren Online-Shitstorm gegen das Epplehaus.
Durchweg mit hämischen Untertönen berichteten darüber auch diverse rechte Blätter wie die „Junge Freiheit“ und „National-Zeitung“ oder Blogs wie „Philosophia Perennis“.
Die neonazistische Facebook-Seite „Unzensierte Nachrichten Reutlingen“ ätzte: „Tja wer das eine will, muss das andere mögen. Ist doch schön, wenn es mal die richtigen trifft. Nämlich die linken antideutschen „Refugees welcome“-Krakeeler aus dem roten Epplehaus.“

Am 17. Juni 2018 zeigte ein betrunkener Mann beim Tübinger Epplehaus in Richtung des Hauses den Hitlergruß und nannte Personen in dem linksalternativen Jugendhaus „Volksverräter“.

Am 14. Mai 2020 berichtete die Gruppe „about:utopia“, dass Plakate anlässlich des 8. Mai, also dem Jahrestag der Kapitulation Nazi-Deutschlands, abgerissen und dem Epplehaus vor die Tür geworfen wurden.

Am 14. Juli 2020 brachte ein Mann an der Außenwand des Epplehaus ungefragt ein Plakat mit der Überschrift „Linke Trottel von der Antifa schenken der AfD einen Märtyrer!“.
Im Text darunter wird auf einen Vorfall in Stuttgart am 20. Mai Bezug genommen bei dem ein rechter Aktivist schwer verletzt wurde. [Im Zuge dieses Vorfalls kam es zu mehreren (staatsanwaltschaftlich bestätigt) illegitimen und repressiven Hausdurchsuchungen bei linken AktivistInnen, so auch in der Tübinger Lu15.
Der Plakatierer ist ansonsten durch seine Privat-Fehde mit der Linkspartei bekannt.

Anti-Antifa-Arbeit
Im Sinne klassischer Anti-Antifa-Arbeit und Zielmarkierung, wird das Epplehaus auch gerne von Rechten ausgekundschaftet und fotografiert.

Am 15. Dezember 2020 wurden in einer Telegram-Gruppe von „Querdenken 743 – Balingen“ von einem ‚Uwe‘ Bilder des Epplehaus gepostet. davor war bereits von „Epplehaus-Antifa“ und „Antifanten“ die Rede, die als politische Gegner*innen markiert wurden.

Neue Gefahren
Die bedrohlichere Gefahr für linke, selbstverwaltete Jugendhäuser in Baden-Württemberg, liegt derzeit eher in einer schleichenden Delegitimierung statt in direkten Angriffen. Auch wenn die Gefahr von z.B.

Brandstiftung nie gebannt ist.
Die Delegitimierung linker Selbstverwaltung wirkt aber auf einer anderen Ebene. Hier entfalten Diffamierungen durch kleine Anfragen der AfD oder Benennungen durch den antidemokratischen Inlandsgeheimdienst („Verfassungsschutz“) ihre negative Wirkung. Finanzierung und Zuschüsse werden in Frage gestellt und manchmal auch gestrichen bzw. gekürzt.
Auch die Gemeinnützigkeit von den Träger-Vereinen wird in Frage gest

ellt. Im schlimmsten Falle kommt es zur Streichung des Gemeinnützigkeits-Status für die Betreiber-Vereine, wie im Fall des „DemoZ“ in Ludwigsburg 2019.

Das Epplehaus ist dabei durchaus auch im Fokus der extremen Rechten. Im November 2017 hieß es etwa im AfD-nahen „Deutschlandkurier“ unter dem Titel „Brutstätten der Gewalt“: „Über ganz Deutschland breitet sich ein Netz linksextremer Infrastruktur aus. In jeder bundesdeutschen Stadt sind sie zu finden: Von gänzlich harmlosen Gruppen hin bis zu radikalen linken Organisationen, die Hand in Hand zusammen arbeiten.
Ob die „Rote Flora“ in Hamburg, oder das „Kafe Marat“, wie auch das „DGB-Haus“ in München. Das „Epplehaus“ in Tübingen oder die „Rigaer Straße 94“ in Berlin. Ihnen gemein ist ihre stramm linke bis linksextremistische Ausrichtung.“

Fazit: Gefahr erkannt, aber nicht gebannt
Das Epplehaus war im Laufe der Jahre immer wieder Ziel von Angriffen und Anfeindungen. Es dürften einige mehr gewesen sein als in diesem Text vermerkt sind, zumal die Aufzählung erst 2007 einsetzt. Hier sorgt ein schlechtes Gedächtnis für ein fehlendes Gesamtbild. Dabei ist es wichtig das gesamte Bild sehen zu können, um Gefahren und Tendenzen zu erkennen. Es fehlen einzelne Puzzlestücke.
Sicher ist das Epplehaus in der linksliberalen, westdeutschen Universitätsstadt Tübingen in einer weitaus komfortableren Situation als ein linkes Zentrum in einer ostdeutschen Kleinstadt.
Doch im schlimmsten Fall reicht eine Person mit einem Streichholz aus, um

irreparablen Schaden zu verursachen und sogar Menschenleben zu gefährden.
Daran hat uns noch einmal der Brandanschlag auf das linke Zentrum „Kulturschock Zelle“ in der Nachbarstadt Reutlingen in der Nacht vom 22. auf den 23. Dezember 2020 erinnert.
Oft gibt es bei solchen Angriffen ein Vorspiel. Aus verbalen Brand-Sätzen werden dann schnell Brandbeschleuniger. Oft ist das Prinzip arbeitsteilig. Die einen hetzen, die anderen zündeln.
Deswegen ist es wichtig schon frühzeitig zu intervenieren und zu löschen.

Am 19. Februar ist der rassistische Anschlag in Hanau ein Jahr her.

Am 19. Januar 2021 veröffentlichte die Initiative 19. Februar Hanau den folgenden Text. Mit der Veröffentlichichung auf unserer Homepage möchten wir diesen Text weiter verbreiten und uns den Forderungen anschließen.

 

„Wir klagen an und fordern Taten statt Worte:

Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung, Konsequenzen!

Wir trauern und erinnern uns. An Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin.

Am 19. Februar ist der rassistische Anschlag in Hanau ein Jahr her.

Am Jahrestag wird es in Hanau auch eine offizielle Gedenkveranstaltung mit dem Bundespräsidenten und dem hessischen Ministerpräsidenten geben. Wir werden viele anteilnehmende Worte hören, Betroffenheit und Verurteilungen der Tat. Was wir nicht hören werden, sind Antworten auf unsere vielen Fragen. Was wir nicht hören werden, sind Konsequenzen, damit sich das, was passiert ist, nicht wiederholt. Wir brauchen Taten statt Worte.

Ein Jahr danach sagen wir selbst, was nicht gesagt werden wird:

Wir sprechen über das Versagen der Behörden vor, während und nach der Tat, über die Schwerfälligkeit der Ämter bei der Unterstützung und Hilfe, und selbst beim Erkennen gravierendster Probleme – die Kälte der Bürokratie. Wir sprechen über das unverzeihliche Fehlverhalten der Sicherheitskräfte in der Tatnacht, über die Unwilligkeit und Schludrigkeit von Staatsanwaltschaft und Polizei bei den Ermittlungen, bei der Verfolgung von Spuren, bei dem Ernstnehmen neuer Bedrohungslagen, bei unserem Schutz. Wir sprechen über die wiederkehrenden Respektlosigkeiten und herabwürdigenden Gesten von Beamt:innen, Vertreter:innen von Behörden und Polizei gegenüber Angehörigen und Überlebenden und selbst gegenüber den Toten. Wir sprechen über den Normalzustand von institutionellem Rassismus.

Ein Jahr danach bedeutet für uns, wir klagen an.

Am 14.2. werden wir sprechen und in einer gestreamten Veranstaltung die Kette des Versagens nachzeichnen, die Bedingungen des Terrors benennen und den andauernden rassistischen Normalzustand anklagen.

Wir werden die Veranstaltung aufnehmen und übertragen. Wir laden alle ein, uns am 14.2., wenige Tage vor dem Jahrestag, zuzuhören wenn wir unsere Anklage vortragen. Wir werden Sequenzen unserer Anklage als Audio-Aufnahmen zur Verfügung stellen für alle Orte und Städte an denen ihr am 19. Februar sein werdet.

Wir wünschen uns nicht nur Beistand in der Trauer. Wir wollen mit euch gemeinsamen Druck entwickeln, um unsere Forderung durchzusetzen. Eine bittere Erkenntnis des letzten Jahres ist, dass all das was in Bewegung geriet, nur durch uns alle gemeinsam in Bewegung gesetzt worden ist.

Deswegen fordern wir Euch für den 19. Februar dazu auf, mit uns gemeinsam Zeichen zu setzen. Wegen der Pandemie können wir leider nicht mit allen zusammen kommen, so wie wir es brauchen und uns wünschen. Organisiert deshalb auf den Straßen und Plätzen eurer Städte und Dörfer Kundgebungen, Demonstrationen, Gedenkaktionen! Für politische Konsequenzen!

Die Namen der Opfer unvergessen machen. Ihre Namen sollen erinnern und mahnen, den rassistischen Normalzustand im Alltag, in den Behörden, den Sicherheitsapparaten und überall zu beenden. Der rassistische Anschlag war auch ein Ergebnis der rechten Hetze von Politiker:innen, Parteien und Medien. Behörden und Sicherheitsapparate haben ihn durch ihre strukturelle Inkompetenz und Ignoranz weder verhindert noch aufgeklärt.

Es sind diese fließenden Formen rechten Terrors, die in den Handlungen Einzelner ihre mörderische Zuspitzung und Folge finden und damit niemals Einzeltaten sind.

Schluss damit! Damit wir keine Angst mehr haben müssen, muss es politische Konsequenzen geben. Rassismus, egal in welcher Form, darf nicht mehr geduldet, verharmlost oder ignoriert werden.

Wir sind die Angehörigen, die Überlebenden, die Betroffenen. Wir haben dafür gesorgt, dass die Namen der Opfer bekannt sind – und nicht der des Täters. Wir waren unbequem und haben selbst recherchiert. Wir wurden vom Bundespräsidenten empfangen und von vielen anderen in Behörden und Gremien beschwichtigt. Wir wurden hingehalten. Wir haben nicht geschwiegen. Wir sind gereist, haben Treffen abgehalten, große und kleine, öffentliche und hinter verschlossenen Türen. Wir haben Öffentlichkeit geschaffen. Wir haben gelitten und uns gegenseitig getröstet, beruhigt und gestärkt. Wir sind sichtbar und unsere Stimmen sind überall zu hören. Wir sind vernetzt mit allen, die wissen und begreifen, dass Rassismus das Problem ist. Wir sind Berlin-Neukölln, Halle, Köln, Nürnberg, Mölln, Kassel, Wächtersbach. Wir sind Kesselstadt, das JUZ, die Initiative 19. Februar Hanau und viele mehr.

Wir stehen zusammen und kämpfen gemeinsam.

Gegen die Angst. Für das Leben. Erinnern heißt verändern!“

Quelle: https://19feb-hanau.org/

 

Weitere Texte und viles mehr der Initiative 19. Februar Hanau findet ihr auf ihrer Homepage unter https://19feb-hanau.org/

Wenn ihr die Arbeit der Initiative finanziell unterstützen wollt, findet ihr hier weitere Informationen.

Solidarität mit der Lu15 – spendet gegen Repression!

Quelle: https://abcsuedwest.blackblogs.org/2020/09/28/solidaritaet-mit-der-lu15-spendet-gegen-repression

Das linke Hausprojekt Lu15 in Tübingen wurde innerhalb dieses Jahres gleich zweimal von der Polizei gerazzt. Anfang Februar stürmten schwer bewaffnete Polizistinnen das Haus und gingen äußerst brutal und ohne sich an jegliche Gesetze zu halten gegen die Bewohnerinnen vor. Grund waren die Ermittlungen gegen „die 2 vom Landgericht“, denen versuchte (!) Sachbeschädigung vorgeworfen wird. Neben der Lu15 wurde auch noch eine Privatwohnung durchsucht. Die beiden Beschuldigten waren zu dem Zeitpunkt in Polizeigewahrsam, wo sie enorm unter Druck gesetzt, schikaniert, erniedrigt und bedroht wurden, um Aussagen aus ihnen herauszupressen.

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Trotz alledem haben sie sich dem widersetzt und nichts gesagt. Die Verfahren gegen sie laufen momentan noch und es ist noch unklar, wie es weitergehen wird. 5 Monate später, am 2. Juli ist die Polizei schon wieder in die Lu15 eingedrungen. Vorwand war diesmal der Angriff auf einen rechten Betriebsrat in Stuttgart. Gleichzeitig wurden noch 8 weitere Wohnungen in Baden-Württemberg durchsucht, eine Person, Jo, sitzt seitdem in Stuttgart Stammheim in U-Haft mit dem Vorwurf des versuchten Todschlags.

Wieder nutzten die Repressionsorgane haarsträubende Konstruktionen, um in die Lu15 eindringen zu können. Denn Tristan, die beschuldigte Person aus der Lu15, konnte sehr schnell nachweisen, an besagtem Tag gar nicht in Stuttgart gewesen zu sein. Davor wurde allerdings sämtliche Technik von Tristan, der auch wissenschaftlicher Mitarbeiter für die Partei Die Linke ist, beschlagnahmt. Das Verfahren gegen Tristan wird nun eingestellt werden. Repression ist eine hohe Belastung für alle Beteiligten, insbesondere aufeinanderfolgend innerhalb so kurzer Zeit. Sie ist Angriff auf linke Aktivist*innen und Strukturen. Neben dem Stress, den die Betroffenen so oder so schon durchleben mussten, kostet das ganze auch noch eine Menge Geld.

Deshalb unterstützt die Betroffenen, zeigt euch solidarisch und spendet an:

Spendenkonto
Inhaber*in: Rote Hilfe OG Freiburg
IBAN: DE47 4306 0967 4007 2383 64
BIC: GENODEM1GLS
Spendenzweck (wichtig!): Lu15 & friends