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Erklärung der Mitarbeiterinnen des Epplehauses zum Verbot von Nationalsymbolen im Epplehaus während der Fußball-WM.

Gleich zu Anfang möchten wir gerne einen Irrtum aufklären: Das Verbot beschränkte sich nicht explizit auf deutsche, sondern umfasste alle Nationalsymbole. Da an einigen Stellen Missverständnisse und Unverständnis bezüglich dieses Verbots geäußert wurden, möchten wir im Folgenden genauer begründen, warum das Epplehaus diesen Beschluss gefasst hat.
Wir stehen dem Fussballpatriotismus kritisch bis ablehnend gegenüber. Bei genauerer Betrachtung kommen wir zu dem Schluss, dass es sich bei den Ereignissen zur Männer-WM nicht nur um ein Sportereignis handelt, sondern dass Fußball in diesem Fall die Projektionsfläche von nationalen Empfindungen darstellt bzw. diese hervorruft.
Jede Form von Nationalismus, auch wenn sie Patriotismus genannt wird, halten wir für bedenklich bis gefährlich und lehnen sie ab. In der nationalen Kollektividentität geht das Individuum unweigerlich verloren. Es werden reale soziale Widersprüche verdeckt und es besteht die Gefahr der Radikalisierung. Mit dem Appell an das nationale Kollektiv können sowohl Kriege geführt werden (Kaiser Wilhelm zu Beginn des Ersten Weltkrieges: Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!), als auch soziale Kürzungen durchgepeitscht werden (Appell der Bundesregierung Deutschland möge zusammen stehen und sparen). Arbeitslosen wird erklärt sie müssten eine weitere Kürzung zum Wohle des Vaterlandes akzeptieren, damit Deutschland bald wieder Exportweltmeister Nummer 1 sei.
Wir halten es zudem für unlogisch sich positiv auf Leistungen und Erfolge von Menschen zu beziehen, die man nicht einmal persönlich kennt. Das aber ist das Grundprinzip jeden Nationalismus. Die Menschen beziehen sich auf unsere schöne Heimat, unsere Dichter und Denker oder unsere Mannschaft, ohne mit den betreffenden Dingen etwas zu tun zu haben. Etwas anderes ist es dagegen als Fan seit Jahren eine Mannschaft zu supporten und sie im Stadion hörbar zu unterstützen. Im Übrigen führen Fußballmannschaften keine Kriege und haben keine Grenzen an denen Flüchtlinge sterben. 
Auch in Tübingen waren die Deutschland-Fans häufig mehr als nur Fußballfans. Immer wieder waren nationalistische und homophobe Sprüche zu vernehmen und als Spanien-Fans beim Public-Viewing an der Shedhalle die Hymne ihrer Mannschaft mitsangen wurden sie aus den Reihen der Deutschland-Fans beworfen. Das ist auch kein Zufall, Nationalismus in jeglicher Ausprägung bedingt immer auch die Ausgrenzung und Herabsetzung Anderer. Beispielhaft ist dies Festzustellen an den Fangesängen, in denen häufig der Gegner herabgesetzt und abgewertet wird. Fußball ist nur eines der Spielfelder für Chauvinismus und nationale Feinbilder. Ein anderes Beispiel ist es, wenn in den Medien das Stereotyp von faulen und korrupten Griechen bedient wird, sowie dies in den letzten Monaten geschehen ist.
Menschen, die keine Lust auf Fahnengewedel und So sehen Sieger aus-Geschrei hatten, wollte das Epplehaus eine Ruhe- und Schutzzone bieten. Diese Insel wurde konkret durch das Verbot von Nationalsymbolik geschaffen. Mit dieser Aktion hält das Epplehaus an seiner eigenen Tradition fest, immerhin ist der schwarz-rote Anarcho-Stern bis heute das Symbol des selbstverwalteten Jugendhauses.

Welche Nationalität haben sie? - Ich bin Trinker. (Humphrey Bogart als Rick Blaine in "Casablanca")

Das Epple-Haus
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