Unvergessen: Der Tod von Kiomars Javadi

Am vergangenen Samstag jährte sich zum 30. Mal der Todestag von Kiomars Javadi. Daran erinnert die Beschriftung der Bretter am Tübinger Epplehaus: „Kiomars Javadi (+ 19.8.1987) / Todesursache: Rassismus / … und mangelnde Zivilcourage!“

Wer war Kiomars Javadi?
Kiomars Javadi war ein 20-jähriger iranische Flüchtling, der in Deutschland Antrag auf Asyl gestellt hatte. Er suchte hier Zuflucht vor der politischen Unterdrückung in seinem Heimatland. Als Asylsuchender wurde er zwangsweise in der Unterkunft in der ehemaligen Thiepval-Kaserne in der Schellingstraße untergebracht.
Am 19. August 1987 besuchte Kiomars Javadi den heute nicht mehr existierenden Tübinger Supermarkt der „Pfannkuch“-Kette in der Karlsstraße, um sich etwas zu Trinken zu kaufen.
An der Kasse sprach ihn ein Angestellter an, dass er einen Einkaufswagen, den er im Laden abgestellt habe, wieder mit nach draußen nehmen solle. Kiomars versuchte zu erklären, dass er nichts mit dem Wagen zu tun habe. Ein Streitgespräch entspann sich. Daraufhin wurde Kiomars nach Augenzeugenberichten von einem Angestellten von hinten gepackt und gegen seinen Willen in einen Kellerraum verschleppt. Eine Kundin, die vor Javadi an der Kasse stand, gab später bei der Staatsanwaltschaft zu Protokoll: „Sie ließen den Ausländer gar nicht zu Wort kommen. Sie haben ihn von hinten gepackt, so dass seine Füße den Boden nicht mehr erreichten und gegen seinen Willen nach hinten getragen.“
Im Keller konnte er sich offenbar durch einen Biss in den Finger des Angestellten befreien. Zuvor wurde er von dem Angestellten vermutlich misshandelt, denn dieser gestand später, einen Gummiknüppel „fachgerecht gehandhabt“ zu haben. Nach dem Tod von Kiomars Javadi fand die Polizei auch einen Gummiknüppel im Müllcontainer des Supermarkts.
Als die Tür durch den Filialleiter geöffnet wurde, floh Kiomars in den Hinterhof in der Wöhrdstraße. Hier wurde er gegen 17 Uhr von drei Supermarktangestellten gestellt. Er wurde mit Hilfe des Filialleiters gepackt und auf den Boden geworfen und mit dem Gesicht nach unten festgehalten. Der 18-jährige Lehrling Andreas U. nahm das Opfer in den Würgegriff, während der Filialleiter ihm mit einem „schmerzhaften Hebelgriff aus der Karatetechnik“, die Beine verdrehte.
Insgesamt 18 Minuten lang wurde Kiomars nicht aus dem Würgegriff freigegeben. Dies geschah vor den Augen von mindestens 15 gaffenden Zuschauer/innen (nach anderen Berichten sogar 30). Bis auf ein älteres Ehepaar fühlte sich keiner genötigt Kiomars zu helfen und einzuschreiten.
Laut Gerichtsmediziner Volker Schmidt war Kiomars bereits nach vier bis sechs Minuten tot. Die beiden Täter hatten also die meiste Zeit nur noch einen Toten im Würgegriff. Nach 18 Minuten traf die Polizei ein und legte dem Toten noch Handschellen an bis der Krankenwagen kam.
Der Notarzt Dr. Warth berichtete: „Der Befund bei Übernahme war, dass der Patient weite, lichtstarre Pupillen hatte. Es bestand Herzstillstand, Atemstillstand. Er war bereits klinisch tot.”
Unmittelbar nach dem Tod wurde offenbar ein Alibi für die beiden Haupttäter konstruiert, wonach Kiomars beim Ladendiebstahl ertappt worden sei. Man präsentierte der Polizei einen Einkaufswagen, den das Opfer angeblich benutzt haben soll, mit Lebensmitteln, die vorgeblich gestohlen wurden. Jedoch fanden sich keine Fingerabdrücke von Kiomars Javadi auf den Lebensmitteln. Echte Ladendiebe verwenden auch nie Einkaufswagen zum Diebstahl. Angeblich habe sich Javadi einen Einkaufswagen mit Ware voll gestopft und versucht durch die Hintertür zu fliehen.

Im 1988 stattfindenden Prozess trat Javadis Ehefrau Marjan als Nebenklägerin auf. Als Javadis Witwe einmal ums Wort bat, schnitt Richter Dippon ihr so barsch das Wort ab, dass sie weinend aus dem Gerichtssaal lief. Zitat: „Mäßigen Sie sich, auch wenn Sie aus dem Orient kommen”. Der Täter dagegen wurde sehr höflich behandelt. Sowohl die Zeugenaussagen der Täter als auch die Angaben des übrigen Pfannkuch Personals waren auffällig „einheitlich“.
Dem Staatsanwaltschaft genügte als Tatmotiv, die angebliche Verhinderung von Ladendiebstahl. Die wahrscheinlich rassistischen Hintergründe und ein bedingter Tötungsvorsatz waren vor Gericht kein Thema. Sogar die Täter selbst sagten vor Gericht, dass es sich eigentlich gar nicht um einen Ladendiebstahl gehandelt hätte.
Am 30. Juni 1988 wurde nach einem kurzen Prozess das Urteil gegen die beiden Pfannkuch-Mitarbeiter verkündet. Die beiden Täter bekamen eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. In seinem Urteil berief sich der Richter auf einen Präzedenzfall, in dem ein Polizist einen Jugendlichen im Würgegriff tötete und ebenfalls fast straffrei davonkam.
Keiner der Gaffer wurde wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt.

Zu dem Mord an Kiomars Javadi produzierte 1991 der Filmemacher Rahim Shirmahd, ein Freund Javadis, den sehenswerten 20-minütigen Schwarzweiß-Film „18 Minuten Zivilcourage“.

Obwohl in Tübingen an jedem zweiten Haus eine Gedenktafel hängt, gibt es bis heute keine Tafel, die an Kiomars Javadi erinnert.

Dreißig Jahre danach brennt es noch immer
Kiomars Javadi starb in einer Zeit, in der in der westdeutschen Gesellschaft ein rassistischer Diskurs, auch über Geflüchtete, stattfand. In den Zeitungen war die Rede von „Scheinasylanten”, „Wirtschaftsflüchtlinge” oder „Asylanten-Schwemme“. Eine regelrechte Pogrom-Stimmung machte sich in Teilen der Bevölkerung breit. Unions- und SPD-Politiker/innen versuchten sich auch über rassistische Aussagen die Wählergunst zu sichern. In dieser aufgeheizten Stimmung kam es zu Morden und die rechtspopulistische Republikaner-Partei schafft es 1989 in Berlin und bei der Europawahl über die 5-Prozent-Hürde zu springen.

Doch auch dreißig Jahre nach dem Tod von Kiomars Javadi brennen die Flüchtlingsheime und die Brandursache lautet Rassismus. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt gab es 2016 auch bereits den ersten Toten. In Waldbröl bei Bonn erschlugen vier Nazis am 1. September 2016 einen Mann. Sie waren mit Baseballschläger und Schlagring losgezogen, um Flüchtlinge zusammenzuschlagen. Die Nazis griffen auch eine Gruppe Flüchtlinge an, die sich jedoch wehrte. Daraufhin wählten sie ein Zufallsopfer und ermordeten den Mann.
Hinzu gesellen sich weitere Verdachtsfälle.
Eine rechtspopulistische Partei sitzt in Deutschland inzwischen in 13 Landesparlamenten und schickt sich an auch in den Bundestag einzuziehen. Auch mit dem Feindbild Flüchtling gelingt es der AfD Menschen zu mobilisieren. In Tübingen tritt mit Dubravko Mandic ein AfD-Hardliner an, der seine Partei als eine bürgerliche NPD versteht.

Währenddessen geht das stille Sterben auf dem Mittelmeer weiter. NGOs, die mit eigenen Schiffen versuchen Seenothilfe zu leisten, werden derzeit unter Schlepper-Verdacht gestellt.
Die Fluchtrouten werden durch Türsteher der Regierungen Europas bewacht. Bei der Auswahl scheut macht man aus seinem Herzen keine Mördergrube Erdogan in der Türkei und Bürgerkriegs-Milizen in Lybien. Mit der Militärdiktatur in Eritrea wird auch ein Pakt geschlossen, um gleich am Anfang der Flucht anzusetzen.

So hat sich seit dem Tod von Kiomars Javadi leider kaum etwas verbessert. Trotzdem werden wir weiter aktiv sein gegen Rassismus, das Grenzregime und alle seine UnterstützerInnen, egal aus welcher Partei.

„Lieber Tanz ich, als G20“: Redebeitrag zur Nachttanzdemo vom 15.06.17

 

Treffen sich ein amerikanischer Rechtspopulist, ein türkischer Autokrat und ein Hindunationalist….

Nein, das ist nicht der Beginn eines schlechten Witzes, sondern Teil der Spitzengäste des Gipfels der 20, kurz G20. Der G20 ist ein Gipfel der Despoten und der Herrschenden. Der Repräsentanten des globalen, imperialen Kapitalismus. Sie wollen globale Probleme lösen, ohne zu beachten, dass sie selbst und ihre Wirtschaftssysteme für den größten Teil dieser Probleme verantwortlich sind. Wirtschaftskrisen, Hunger, Flucht, Klimawandel, Kriege und Terrorismus. Es geht um „wer kriegt was“, um neue Wirtschaftsdeals und den maximalen wirtschaftlichen Profit. Nicht außer Acht gelassen wird hierbei, wie die Verlierer dieses Ungleichgewichts, über deren Köpfe hinweg entschieden wird und die anderswo mit den Konsequenzen leben müssen, daran gehindert werden sich aus ihrer Abhängigkeit zu befreien.

„Die Mitgliedstaaten der G20 repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung“,

wird uns gesagt. Dies soll die Legitimierung der Entscheidungsmacht sein.

Falsch! Sie stehen für 80% der globalen CO2-Emissionen, die Aufrechterhaltung des globalen Kapitalismus und für Kriege, die für die große Zahl an Geflüchteten der letzten Jahre verantwortlich sind – welchen dann hierzulande so oft nur mit Rassismus und Abschottung begegnet wird. Sie verhandeln allein, welches Szenario des Irrwitzes sich durchsetzt und beschreiben die vermeintliche Alternativlosigkeit zwischen knallhartem neoliberalem Freihandel oder Oligarchen-Kapitalismus und einer autoritären, nationalistischen und rassistischen Krisenlösung.

In Hamburg werden circa 15.000 Beamte erwartet, darunter auch ausländische Unterstützung durch die Terrorspezialeinheit „Cobra“ aus Österreich, sowie Niederländischen Polizisten. Des Weiteren wird die ganze Stadt in Ausnahmezustand versetzt. Es werden Bezirke abgeriegelt und Ladenbesitzer*innen und Handelsketten haben angekündigt, ihre Geschäfte zu verbarrikadieren. Außerdem wurde für weite Teile Hamburgs von der Stadt ein Versammlungsverbot verordnet, was nicht nur der eigenen Aussage von April 2017 widerspricht, sondern auch dem deutschen Grundgesetz. Diese Maßnahmen wurden aufgrund der zigtausend erwarteten Demonstrant*innen ergriffen, durch deren Auftreten auch schnell deutlich wird, wie gut sich die Bevölkerung durch ihre Führungskräfte repräsentiert sieht. Nämlich gar nicht!

Repräsentiert werden nur die Interessen der globalen Wirtschaft und des Kapitalismus.
Nicht zuletzt will Deutschland seinen, zu Beginn des Jahres vom Bildungsministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung veröffentlichten „Marshall Plan mit Afrika“ in den Diskurs einbringen. Abgesehen von der obskuren Formulierung bezogen auf das zerbombte Nachkriegsdeutschland äußert sich mal wieder das deutsche Helfersyndrom, wobei unter dem Deckmantel der humanitären Hilfe die eigenen Wirtschaftsinteressen durchgesetzt werden. So soll die Vermehrung der bisher circa 1000 in Afrika aktiven deutschen Unternehmen vorangetrieben werden.

Abgesehen von den westlichen Wirtschaftsmächten nehmen auch ökonomisch starke Länder mit ihrerseits extrem schlechten humanitären Bedingungen an dem Gipfeltreffen teil.

Indien wird durch den Premierminister Narendra Modi repräsentiert und ist zwar selbst ein postkoloniales Opfer des westlichen Imperialismus, hat sich aber durch enormen Wirtschaftsaufschwung in die Interessen des globalen Kapitalismus katapultiert. Durch die rückläufigen Handelsbeziehungen zu den USA will Merkel nun die Zusammenarbeit mit Indien ausweiten. Unter den Tisch fällt hierbei, dass der hindunationalistische Hardliner Modi Vergangenheit in radikalen Gruppen mit faschistoiden Zügen hat und mutmaßlich mit antimuslimischen Pogromen in den 90er und zu Beginn der 2000er Jahre im nordwestlichen Bundesstaat Gujarat in Verbindung steht, bei denen teils von der Regierung unterstütze radikal-hinduistische Lynchmobs über 1000 Menschenleben forderten. Noch heute stacheln Anhänger der Regierungspartei BJP den Konflikt gegen die muslimische Minderheit Indiens an. Der kritische Blick der westlichen Öffentlichkeit richtet sich gerne und zu Recht auf den Islamismus. Doch vom Hindunationalismus wissen nur die wenigsten etwas.

Auch in Südafrika ist das soziale und politische Klima rau. Neben erheblichen Korruptionsvorwürfen gegen den amtierenden Präsidenten Jacob Zuma, hat es die Regierung auch nicht geschafft die soziale und wirtschaftliche Situation der Unterschicht zu verbessern. Bei Kommunalwahlen 2016 kam es zu außergerichtlichen Tötungen und Folter durch die Polizei und trotz Fortschritten bleiben LGBT+ -Personen Opfer von Hassverbrechen. Des Weiteren kommt es gehäuft zu übermäßiger Gewalt durch Bürgerwehren und Mobs, die gezielt Asylsuchende und Geflüchtete töten.

In Indonesien wird ebenfalls Polizei- und Sicherheitskräften exzessive Gewalt, Folter und Missbrauch vorgeworfen. Religiöse Minderheiten und Atheist*innen leiden vermehrt unter Einschüchterungen und physischen Übergriffen, sowie staatlicher Repression und Diskriminierung infolge eines rigorosen Gesetzes gegen Blasphemie. Auch kennt Indonesien weiterhin die Todesstrafe, unter anderem bei Drogendelikten.
In Teilen des Landes trat 2015 ein neues islamisches Strafgesetzbuch in Kraft, welches beispielsweise für gleichgeschlechtliche Paare, uneheliche Beziehungen, Alkoholkonsum und Glücksspiele Prügelstrafen vorsieht.
In den Regionen Papua und West Papua kommt es immer wieder zu willkürlichen und rechtswidrigen Tötungen durch die Militärkräfte, welche dafür nur selten strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden und auch bei friedlichen Protesten werden Personen wahllos festgenommen.

Mit von der Partie ist ebenfalls die absolute Monarchie Saudi-Arabien, wo neben konstanten Menschenrechtsverletzungen wie fehlende Meinungsfreiheit und inexistente Frauenrechte auch nach wie vor die Todesstrafe auf Homosexualität besteht und Strafen wie Amputation, Auspeitschen und Steinigungen vollzogen werden. Außerdem ist die Scharia in der in der Verfassung des Landes verankert und der alleinige Monarch Salman ibn Abd al-Aziz hat die Möglichkeit, die Kontrolle über Legislative, Exekutive und Judikative zu übernehmen. Des Weiteren stützt Saudi-Arabien die Finanzierung und Verbreitung des islamischen Neofundamentalismus, welcher nicht zuletzt die Ideologie des islamischen Staates stark geprägt hat.

Selbst durch diesen unvollständigen Einblick sollte die Absurdität einer Versammlung klar werden, bei der die politische Elite sich primär um internationale Handelsbeziehungen sorgt und keine Spur einer Lösung für die realen Probleme unserer Welt zu erkennen ist. Merkel gibt öffentlich an Themen wie Entwicklungspolitik, Energie und Klima, sowie Korruptionsbekämpfung in den Diskurs zu bringen, während sie mit Verbrechern gegen Menschenrechte an einem Tisch sitzt und lediglich deutsche Wirtschaftsinteressen vertreten will.

Wer Mauern bauen will, wer ein halbes Land ins Gefängnis wirft, wer Städte in Schutt und Asche legt, wer Tausende im Mittelmeer ertrinken lässt, soll uns nichts von Vernunft, Ordnung und Recht erzählen!

Wir wollen nicht wegschauen! In welcher Aktionsform auch immer werden wir präsent sein um den Reibungslosen Ablauf der Ereignisse so gut es nur geht zu stören!

Pressemitteilung 26.05.17

Wir, die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen des selbstverwalteten Jugendzentrums Epplehaus e.V., haben uns in den letzten Wochen intensiv mit den sexuellen Belästigungen und Grenzüberschreitungen auseinandergesetzt, mit denen wir und unsere Gäste auf den Veranstaltungen des 12. und 13. Mai 2017 konfrontiert waren.

Wir können hinsichtlich der Ereignisse nur das Bild darstellen, das durch unseren Austausch mit der Fachschaft, den am Abend anwesenden ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen und einigen Betroffenen entstanden ist. Es handelt sich also lediglich um unsere Wahrnehmung, wir wollen in keinem Fall für alle Betroffenen sprechen.
Im späteren Verlauf beider Abende wurden Frauen* von Einzelpersonen teils penetrant angemacht, unangenehm angetanzt und angefasst oder verbal angegangen. Wir haben eine solche Situation durch die positive Erfahrung der letzten Jahre beim „paedfeschd“ und der „Queerdonism“ nicht erwartet.

Diese nicht hinnehmbaren Ereignisse können und wollen wir nicht ignorieren. Wir thematisieren sie offen und sind uns der Dringlichkeit einer umfassenden Nachbereitung bewusst. Wir haben an uns selbst den Anspruch, einen sicheren Raum für alle Menschen zu gestalten, diesem Anspruch sind wir an dieser Stelle nicht gerecht geworden. Dies bedauern wir sehr. Nun ist es an uns, allen Beteiligten wieder einen sicheren Raum bieten zu können und wir stellen uns dieser Aufgabe.
Dazu gehören die Überarbeitung unseres Schutzkonzepts, dessen Erweiterung durch eine geschulte Awareness-Gruppe und ausgiebige Selbstreflexion sowie ein konstruktiver Dialog mit der Stadt. Wir arbeiten fokussiert mit Professionellen aus den Bereichen der sozialen Frauen*- und Jugendarbeit und der Kulturwissenschaft zusammen, um Konzepte zu entwickeln, die langfristig diskriminierenden, im Speziellen sexualisierten Übergriffen präventiv entgegenwirken sollen.

Nicht unkommentiert lassen wollen wir jedoch auch die Rassifizierung der Problematik durch einen großen Teil der medialen Öffentlichkeit. Das öffentliche Interesse ist legitim und berechtigt, doch wie sich der Oberbürgermeister Boris Palmer dazu äußert, ist unverantwortlich. Durch suggestive Facebookposts bietet er einer anonymen rassistischen Masse eine Plattform, die wir für gefährlich halten. Das eigentliche Problem, das hinter den Vorfällen steht, ist Sexismus, und dieser gehört auch zur deutschen Gesamtgesellschaft, die wir aktiv zu verändern suchen.

Diese Kritik am Diskurs halten wir für notwendig, doch wollen wir nochmals betonen, dass momentan die oberste Priorität beim sensiblen Umgang mit Betroffenen und der konzentrierten Arbeit am Epplehaus als Schutzraum für alle liegt.

Pressemitteilung 19.05.17

Wir, das Epplehaus, beziehen Stellung zur bisherigen medialen Debatte über die Ereignisse vergangenen Wochenendes 12./13. Mai 2017.

Die in der Presse bisher erschienenen Äußerungen von einzelnen ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen des Hauses können nicht als offizielle Stellungnahme des Vereins Epplehaus e.V. verstanden werden, da wir die Geschehnisse nicht verharmlosen wollen.
Bei den Veranstaltungen am Freitag und Samstag kam es zu nicht hinnehmbaren Grenzüberschreitungen und sexuellen Belästigungen.

Mit diesen Problematiken sind wir schon länger konfrontiert und haben diverse Maßnahmen zum Schutz der Gäste und der Mitarbeiter*innen (Schutzpersonal, Hausverbote, Arbeitskreise) entwickelt. An diesen Abenden haben wir die Situationen zusammen mit den Mitveranstalter*innen falsch eingeschätzt und waren diesen im späteren Verlauf der Veranstaltungen nicht mehr gewachsen. Dies tut uns leid. Wir stehen hinter den Betroffenen und haben bereits Schritte eingeleitet, um zukünftig angemessen reagieren und einen sicheren Raum für Alle bieten zu können. Wir vermitteln bei Bedarf professionelle Unterstützungsmöglichkeiten.

Gemeinsam mit der Fachschaft Erziehungswissenschaft und mit Unterstützung des Netzwerks Antidiskriminierung e.V. befinden wir uns im Reflexionsprozess und im engen Austausch, um das Thema sachlich weiter zu bearbeiten. Hierbei möchten wir die Betroffenen einbeziehen und laden zum Austausch ein.

Gern treten wir auch in den Dialog mit der Stadt.

Jahresrückblick 2016

Wir haben hier ein paar Zahlen zusammengestellt, die euch veranschaulichen, was uns im letzten Jahr so umgetrieben hat.

Veranstaltungen

Insgesamt war der Veranstaltungstakt gegenüber den Vorjahren etwas niedriger, was uns aber auch erlaubt hat, uns einigen größeren Projekte, wie z.B. der neuen Homepage zuzuwenden.

Dennoch kamen wir auf 92 Musik-Veranstaltungen, im Schnitt also fast 2/Woche. Darunter waren 58 Konzerte sowie 34 Veranstaltungen elektronischer Musik. Manche davon waren Solipartys, deren Erlös (z.B. unserem Flüchtlings-AK) gespendet wurde, manche waren kleine Festivals wie das Hardcore Winterfest oder das Blastphemy Springfeast. Angeblich fand sogar ein Surf-Konzert im Uhlandbad statt.

Im elektronischen Bereich gab es einige Verschiebungen. Das alte Mono/Stereo-Konzept wurde endgültig aufgehoben und zum Teil durch neue Kooperationen mit externen Veranstaltungsgruppen (z.B. Bunte Klänge), zum Teil durch hauseigene Veranstaltungsreihen, wie die Polyphon, abgelöst.

Der durchschnittliche Eintrittspreis unserer mehr als 10.000 zahlenden Gäste lag bei 4,73€.

Außerdem fanden diverse politische Vorträge statt. Unsere Input-Reihe lag zwar zwischendurch mal auf Eis, wurde aber zu Beginn dieses Jahres wieder neu ins Leben gerufen.

Projekte

Außerhalb des Veranstaltungsbereichs liefen die meisten etablierten Projekte unbeirrt weiter: Proberaum & Bits‘n‘Bytes waren laufend ausgebucht, die Siebdruck-, Elektronik- und Holzwerkstätten arbeiten vor sich hin,der Finanz-AK zählt und rechnet, zählt und rechnet, der Flüchtlings-AK trifft sich immer noch donnerstags um 18:30 und im Plenum wird nach wie vor wöchentlich die Selbstverwaltung organisiert.

Dazu kamen 2016 die Diskussionen über Layout & Inhalt der neuen Homepage bzw. der neuen Hausfassade; die Organisation einer Demo gegen die rassistische Hetze (Stop the racist threat!); diverse politische Stellungnahmen; die Unterstützung der Zelle in Reutlingen, deren Existenz einmal mehr von der Stadtverwaltung bedroht wurde; die Teilnahme am Weihnachtsmarkt oder der Kulturnacht; die Gründung eines Arbeitskreises für mehr Barrierefreiheit im Epplehaus; Förderanträge für Veranstaltungstechnik – Installation einer neuen Lichtanlage und nicht zuletzt einige Struktur- und Orga-Debatten, deren Details wir euch hier ersparen wollen 🙂

Demo gegen Abschiebungen in Herrenberg am 13. Mai

Unter dem Titel „Für alle Geflüchteten und gegen jede Abschiebung“ ruft ein breites Bündnis von Geflüchteten, Flüchtlingsinitiativen, Unterstützer*innen und anderweitig zivilgesellschaftlich engagierten Menschen aus Herrenberg und dem Großraum Stuttgart zum Protest gegen Abschiebung und besonders gegen die aktuellen Sammelabschiebungen nach Afghanistan auf.

Beginn: 13. Mai 2017 // 13:00 Uhr
Startpunkt: Bahnhof Herrenberg

Aufruf:

Insgesamt leben derzeit knapp 250.000 Geflüchtete aus Afghanistan in Deutschland, sie sind vor Krieg und Terror in ihrem Land geflohen, und einige davon wohnen und leben in Unterkünften in Herrenberg und der Umgebung, also in unserer Nachbarschaft. Von der aktuellen Flüchtlingspolitik sind sind direkt und akut betroffen.

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Mit Herz gegen Härte! Kundgebung & Protestaktion.

Wir unterstützen den Aufruf vom Tübinger Bündnis für Bleiberecht.

15.03. // 18:30 // Holzmarkt … aus dem Aufruf:

„Mit Herz und Härte“ charakterisiert Landes-Innenminister Strobl die von ihm betriebene „humane und konsequente Flüchtlingspolitik“, über die er am 15. März in der Museumsgesellschaft Tübingen (Beginn: 20.00 Uhr) vor geschlossener Gesellschaft referieren will. Weiterlesen

Neue Homepage

Hallo Leute,

wir haben’s endlich (nach nur knapp 20 Jahren) geschafft eine neue Homepage in die Welt zu setzen. Jetzt erfährt man dort nicht nur was wir machen, sondern was das Epple überhaupt ist, wie es funktioniert, wie ihr mitmachen könnt und warum wir gerne Sofas vom Balkon werfen. Viel Spaß beim Stöbern!